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Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie


18.-19.06.2026
Dortmund

Meeting Abstract

Bedürfnisse in der Palliativversorgung bei terminalen Lebererkrankungen: Eine nationale Analyse der ärztlichen Perspektive an Transplantationszentren

L. Bartke - Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum, Medizinische Klinik, Bochum, Deutschland
J. Wehnes - Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum, Medizinische Klinik, Bochum, Deutschland
D. Adolph - Ruhr University Bochum (RUB), Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit (FBZ), Bochum, Deutschland
M. Krawczyk - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Transplantationsmedizin, Essen, Deutschland
H. H. Schmidt - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Transplantationsmedizin, Essen, Deutschland
N. Selbach - Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum, Medizinische Klinik, Bochum, Deutschland
A. Canbay - Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum, Medizinische Klinik, Bochum, Deutschland
J. Best - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Transplantationsmedizin, Essen, Deutschland

Text

Hintergrund und Ziel: Die Belastung durch terminale Lebererkrankungen (end stage liver diesease, ESLD) nimmt global zu (Luo et al. J Health Popul Nutr. 2025). Aufgrund des Organmangels kommen viele Patienten nicht für eine Lebertransplantation (LTx) infrage und leiden unter einer hohen somatischen sowie psychosozialen Symptomlast. Diese Studie untersuchte die Einstellung von Transplantationsmedizinern zur Integration der Palliativmedizin (palliative care,PC) an deutschen LTx-Zentren sowie die wahrgenommenen Barrieren für eine frühzeitige Einbindung.

Methode: In einer fünfmonatigen Querschnittsstudie wurden Mediziner an 22 deutschen LTx-Zentren mittels eines validierten Online-Fragebogens befragt. Anhand von 38 Items auf 10-Punkt-Likert-Skalen wurden Einstellungen, Bedürfnisse, Verfügbarkeiten und Hindernisse der PC-Integration evaluiert.

Ergebnis: Von 321 kontaktierten Ärzten (hauptsächlich Oberärzte/Internisten) antworteten 62 (19,3%) vollständig. PC-Beratungsteams werden bereits von 41,9% wöchentlich genutzt. Die Befragten schätzten den Nutzen einer PC-Integration als erheblich ein, identifizierten jedoch signifikante Barrieren an der Schnittstelle zwischen Patienten, Angehörigen und Versorgungsplanung (F(7,724)=24,20, p< 0,001). Besonders kritisch wurde der Zeitpunkt von Gesprächen über das Lebensende bewertet: Während nur 16,1% den Zeitpunkt als angemessen empfanden, hielten 82,3% diese Gespräche für zu spät. Es herrschte starke Zustimmung (M=8,77, SD 1,52), dass alle LTx-Zentren PC-Strukturen vorhalten sollten. Die Akzeptanz für PC stieg signifikant bei fraglicher Transplantationsfähigkeit oder nach Streichung von der Warteliste, während sie bei Erstdiagnose gering war. Knapp 47% der Ärzte streben den Erwerb eigener palliativmedizinischer Kompetenzen an.

Zusammenfassung: Trotz hoher Akzeptanz der Palliativmedizin in der deutschen Transplantationsmedizin bestehen erhebliche strukturelle und kommunikative Barrieren. Eine frühzeitige, bedarfsorientierte Integration der Palliativmedizin wird von den Befragten gefordert, scheitert jedoch oft an der Stigmatisierung des Begriffs und zu spät initiierten „End-of-Life“-Gesprächen. Eine patientenzentrierte Einbindung sollte bereits vor der terminalen Phase erfolgen, um die Lebensqualität der Patienten nachhaltig zu verbessern.