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Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie


18.-19.06.2026
Dortmund

Meeting Abstract

Monströser Trichobezoar – ein seltenes Ereignis

A. Sacu - Sankt Josef Krankenhaus Essen-Werden, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Essen, Deutschland
J. Sauer - Sankt Josef Krankenhaus Essen-Werden, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Essen, Deutschland
G. Rad - Sankt Josef Krankenhaus Essen-Werden, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Essen, Deutschland

Text

Hintergrund und Ziel: Ein Trichobezoar ist eine Ansammlung von Haaren im Gastrointestinaltrakt, infolge einer Impulskontrollstörung mit zwanghaftem Ausreißen der Haare (Trichotillomanie), begleitet von Ingestion von Haaren (Trichophagie). Das Auftreten komorbider psychiatrischer Störungen wie Angststörungen, Depression oder Zwangsstörungen neben der Trichotillomanie wird bei der 86% der Betroffenen berichtet. Trichobezoare treten vor allem bei jungen Mädchen mit langen Haaren auf. Obwohl andere Bezoare (z.B. Phytobezoare) mittels Endoskopie gut therapiert werden können, benötigen große Trichobezoare ein interdisziplinäres Team. Hierbei bleibt die Operation als Methode der Wahl.

Methode: Die Patientin (20-jährig, 167 cm, 57 kg, ohne psychische Vorerkrankungen) stellte sich mit seit Monaten rezidivierenden Oberbauchschmerzen mit Erbrechen, Inappetenz bis hin zur Unfähigkeit der oralen Nahrungsaufnahme und eine tastbare Raumforderung im Epigastrium vor. Laborchemisch fand sich eine Eisenmangelanämie (9,1g/dl Hb.), die Gastroskopie zeigte einen massiven Bezoar, der den gesamten Magen und Bulbus duodeni ausfüllte (Rapunzel-Syndrom). Die Patientin gab an, ihre eigenen Haare ausgerissen und ingestiert zu haben. Nach zwei frustranen endoskopischen Extraktionsversuchen wurde die Indikation zur Gastrotomie gestellt, da eine laparoskopische Extraktion nicht möglich war.

Ergebnis: Wir führten eine Gastrotomie der Magenvorderwand durch. Der 35 x 17 x 6 cm große Bezoar wurde vollständig geborgen, intraoperativ zeigten sich keine weiteren pathologischen Befunde. Histologisch fand sich ein 1.100 g schwerer Trichobezoar. Der postoperative Verlauf war adäquat. Die vegetativen Funktionen erholten sich vollständig und die Patientin wurde am 5. po. Tag entlassen. Eine psychiatrische Vorstellung wurde in die Wege geleitet.

Zusammenfassung: Die seltene Differenzialdiagnose Trichobezoar sollte vor allem bei jungen Frauen mit rezidivierenden Oberbauchschmerzen in Betracht gezogen werden. Große gastrale Trichobezoare stellen trotz moderner Endoskopietechniken weiterhin eine chirurgische Domäne dar. Verzögerungen der operativen Therapie können zu relevanten Komplikationen wie Blutungen, Perforationen oder Ileus führen. Der Fall unterstreicht die Bedeutung einer frühzeitigen chirurgischen Indikationsstellung sowie einer interdisziplinären und langfristig auch psychologischen Mitbetreuung der betroffenen Patienten.