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52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie


06.-08.05.2026
Würzburg
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Meeting Abstract

Einfluss strukturierter präoperativer körperlicher Aktivität auf perioperative und funktionelle Ergebnisse nach radikaler Zystektomie – eine Interimsanalyse der PRACTICE-Studie (NCT06806059)

Raphael Scheuringer - LMU München, Urologische Klinik und Poliklinik, München, Deutschland
Yannic Volz - LMU München, Urologische Klinik und Poliklinik, München, Deutschland
Benedikt Ebner - LMU München, Urologische Klinik und Poliklinik, München, Deutschland
Nikolaos Pyrgidis - LMU München, Urologische Klinik und Poliklinik, München, Deutschland
Marc Kidess - LMU München, Urologische Klinik und Poliklinik, München, Deutschland
Julian Hermans - LMU München, Urologische Klinik und Poliklinik, München, Deutschland
Patrick Keller - LMU München, Urologische Klinik und Poliklinik, München, Deutschland
Tobias Hauser - Barmherzige Brüder München, Klinik für Urologie, München, Deutschland
Alexander Karl - Barmherzige Brüder München, Klinik für Urologie, München, Deutschland
Christian Stief - LMU München, Urologische Klinik und Poliklinik, München, Deutschland
Gerald Schulz - LMU München, Urologische Klinik und Poliklinik, München, Deutschland

Text

Einleitung: Die radikale Zystektomie (RZ) ist mit hoher perioperativer Morbidität und verlängerter Erholungsphase verbunden. Prähabilitation durch körperliche Aktivität könnte die postoperative Belastbarkeit verbessern, jedoch ist die Evidenz in der urologischen Chirurgie begrenzt. Die laufende bikentrische, randomisiert-kontrollierte PRACTICE-Studie untersucht den Einfluss einer schrittbasierten Gehintervention auf perioperative und funktionelle Ergebnisse nach RZ.

Methodik: Seit November 2024 wurden Patienten mit geplanter RZ prospektiv im Verhältnis 1:1 randomisiert einer Interventionsgruppe (tägliches Schrittziel 8.000–10.000 Schritte) oder einer Kontrollgruppe (kein Schrittziel) zugeteilt. Alle Teilnehmenden erhielten Aktivitätstracker. Erfasst wurden funktionelle Parameter (Chair-Rising-Test, Handkraftmessung, Sechs-Minuten-Gehtest [6MWT]) sowie die Lebensqualität (EORTC QLQ-C30) vier Wochen und einen Tag präoperativ, eine Woche postoperativ, bei Entlassung sowie drei und zwölf Monate postoperativ. Primärer Endpunkt war die perioperative Morbidität (Clavien-Dindo ≥ III). Sekundäre Endpunkte umfassten Intensivstationsaufnahme, Bluttransfusionen, Darmfunktionserholung und körperliche Leistungsfähigkeit.

Ergebnisse: In der Interimsanalyse wurden 25 Patienten ausgewertet (Interventionsgruppe n = 14, Kontrollgruppe n = 11). Die Basischarakteristika waren vergleichbar. Die mediane präoperative Schrittzahl war in der Interventionsgruppe signifikant höher (8.474 vs. 4.098; p = 0,003). Für schwere Komplikationen zeigte sich ein Trend zugunsten der Interventionsgruppe, ohne statistische Signifikanz (IG 14,3%, KG 36,4%; p = 0,199). Die Aufnahme auf die Intensivstation (15% vs. 73%; p = 0,005) sowie der Bedarf an Bluttransfusionen (8% vs. 46%; p = 0,033) waren in der Interventionsgruppe signifikant reduziert. Eine Woche postoperativ zeigten sich bessere funktionelle Ergebnisse im 6MWT (399 m vs. 282 m; p = 0,004) und im Chair-Rising-Test (10,7 s vs. 16,8 s; p = 0,009). Handkraft und stationäre Verweildauer unterschieden sich nicht signifikant. Zudem zeigte sich eine starke positive Korrelation zwischen der präoperativen täglichen Schrittzahl und der postoperativen 6MWT-Distanz.

Schlussfolgerung: Eine einfache schrittbasierte Prähabilitation vor RZ ist praktikabel und mit verbesserter früher funktioneller Erholung, geringerer Intensivstationsnutzung und reduziertem Transfusionsbedarf assoziiert. Weitere Analysen werden den Einfluss auf Langzeitergebnisse klären.