66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
Miktionsprotokoll versus Uroflowmetrie: ein Vergleich von Blasenfunktionsparametern bei Enuresis und funktioneller Harninkontinenz im Kindes- und Jugendalter
Text
Einleitung: Enuresis und funktionelle (nicht organische) Harninkontinenz sind häufige Störungen des Kindes- und Jugendalters. In der Diagnostik und Therapie spielen die in Miktionsprotokollen sowie in der Uroflowmetrie erhobenen Parameter eine entscheidende Rolle. Es zeigt sich jedoch eine Diskrepanz zwischen der Erhebungsmethode, sodass eine genauere Evaluation notwendig ist.
Methode: Es erfolgte die retrospektive Auswertung von 50 Kindern und Jugendlichen, die 2025 aufgrund von Miktions- oder Inkontinenzbeschwerden in unserer kinderurologischen Sprechstunde vorstellig wurden. Eingeschlossen wurden alle Kinder bei Erstvorstellung, für die ein Miktionsprotokoll über mindestens einen Tag, sowie die Ergebnisse einer Uroflowmetrie vom Tag der Erstvorstellung vorliegend waren. Parameter aus Miktionsprotokoll und Uroflowmetrie wurden retrospektiv miteinander verglichen (maximale Miktionsvolumina, funktionelle Blasenkapazität).
Ergebnisse: Insgesamt wurden 50 Kinder und Jugendliche eingeschlossen, hiervon 15 Mädchen und 35 Jungen, mit einem medianen Alter von 7 Jahren (Interquartilsabstand (IQR) = 6–9. Bei 40,0% (n = 20) der Kinder wurde die Hauptdiagnose einer monosymptomatischen Enuresis, bei 36,0% (n = 18) einer nicht monosymptomatischen Enuresis, bei 24,0% (n = 12) einer funktionellen (nicht organischen) Harninkontinenz gestellt. Im Miktionsprotokoll zeigte sich bei 76,0% (n = 38) der Kinder eine im Vergleich zur altersentsprechenden Norm hypokapazitäre Harnblase (Median = 64,5% der altersentsprechenden Norm, IQR = 43,9 – 92,3%); in der Uroflowmetrie bei 52,0% (n = 26) der Kinder (Median = 94,4%, IQR = 67,1 – 123,6%). In 98,0% (n = 49) aller Kinder fand sich eine Diskrepanz zwischen der maximalen Blasenkapazität aus Miktionsprotokoll und Uroflowmetrie, in 71,4% (n = 35) zu Gunsten einer größeren Blasenkapazität im Miktionsprotokoll im Vergleich zur Uroflowmetrie. Die Diskrepanz war statistisch signifikant (p = 0,003 Wilcoxon-Vorzeichen-Rang-Test).
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse dieser Studie zeigen eine signifikante Diskrepanz der maximalen Blasenkapazität in Abhängigkeit der Erhebungsmethode (Miktionsprotokoll vs. Uroflowmetrie) bei Kindern mit Enuresis und funktioneller (nicht organischer) Harninkontinenz. Für eine präzise Diagnostik erscheint somit die Berücksichtigung beider Erhebungsmethoden erforderlich, um eine optimale Behandlung zu ermöglichen. Weitere Studien sollten im Rahmen einer prospektiven Evaluation auch die Reproduzierbarkeit der Uroflowmetrie berücksichtigen.



