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65. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.

Südwestdeutsche Gesellschaft für Urologie e. V.
25.-28.06.2025
Ludwigshafen


Meeting Abstract

Radikale Prostatektomie vs. Strahlentherapie beim Prostatakarzinom: Stadien-, Alters- und Frailty-spezifische Ergebnisse von 2.600 Patienten

Mike Wenzel 1
K. Burdenski 2
N. Tselis 3
C. Roedel 3
C. Brandts 2
M. Ahrens 4
J. Koellermann 5
M. Graefen 6
C. Humke 1
C. Siech 1
B. Hoeh 1
1Department of Urology, University Hospital Frankfurt, Goethe University Frankfurt am Main
2University Cancer Center Frankfurt (UCT), Frankfurt am Main
3Department of Radiation Oncology, University Hospital Frankfurt, Goethe University Frankfurt am Main
4Department of Hematology/Oncology, University Hospital Frankfurt, Goethe University Frankfurt am Main
5Department of Pathology, University Hospital Frankfurt, Goethe University Frankfurt am Main
6Martini-Klinik Prostate Cancer Center, University Hospital Hamburg-Eppendorf, Hamburg

Text

Einleitung: Die radikale Prostatektomie (RP) und die Strahlentherapie (RT) werden beide gleichermaßen als Standardbehandlung für das Prostatakarzinom empfohlen. Allerdings liegen aktuelle keine prospektiven Vergleiche vor.

Methode: Wir nutzten die Datenbank des Universitären Krebszentrums Frankfurts, um Unterschiede im metastasenfreien Überleben (MFS), krebsspezifischen Überleben (CSS) und Gesamtüberleben (OS) von RP- vs. RT-behandelten Patienten zwischen 2014 und 2024 zu untersuchen. Sensitivitätsanalysen berücksichtigten stadium-, alters- und gebrechlichkeitsspezifische Unterschiede.

Ergebnisse: Von 2.685 Patienten unterzogen sich 74% einer RP und 26% einer RT. RP-Patienten waren jünger (66 vs. 74 Jahre) und wiesen häufiger eine Hochrisiko-Erkrankung auf (60% vs. 43%), ein cT3-Stadium (47% vs. 9,6%) sowie ein cN1-Stadium (11% vs. 5,2%), während RT-Patienten häufiger einen ECOG-Status von 1–2 hatten (16% vs. 6,7%, alle p<0,001). Univariate MFS-Analysen favorisierten meist RT-behandelte Patienten, während univariate OS-Analysen zugunsten von RP-behandelten Patienten ausfielen. Nach Anpassung an Patienten- und Tumorcharakteristika in multivariablen Cox-Regressionsmodellen wurden diese Unterschiede jedoch nicht mehr beobachtet – unabhängig von Sensitivitätsanalysen basierend auf den D’Amico-Risikogruppen, Alterskategorien oder dem ECOG-Status. In den abschließenden 2:1 Propensity-Score-Matching-Analysen zeigten sich keine Unterschiede in allen onkologischen Ergebnisparametern zwischen RP und RT, mit 60-Monats-Raten von 95,4% vs. 96,1% für MFS, 99,1% vs. 98,6% für CSS und 91,8% vs. 91,5% für OS (alle p≥0,15).

Schlussfolgerung: Real-World Evidenz belegt, dass RP- und RT-behandelte Prostatakarzinompatienten vergleichbare Ergebnisse in der Krebsbekämpfung erzielen, wenn unterschiedliche Patienten- und Tumorcharakteristika berücksichtigt werden. In der klinischen Praxis unterziehen sich Patienten mit Hochrisiko-Erkrankungen und ungünstigen Merkmalen häufiger einer RP.