188th Meeting of the Ophthalmologists of the Rhineland and Westfalia
188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
Venöse Prästase führt zur unerwarteten Entdeckung einer lebensbedrohlichen Systemerkrankung
Text
Eine 76-jährige Patientin wurde mit Verdacht auf venöse Prästase am rechten Auge überwiesen, die als Zufallsbefund im Rahmen einer Verlaufskontrolle aufgefallen sei. Beschwerden bestünden nicht. Auffällig war ihre Vorgeschichte mit einem früheren Zentralvenenverschluss am Partnerauge und mehreren Allgemeinerkrankungen, wie einem gut eingestellten Diabetes mellitus Typ II sowie mehreren nicht mehr behandlungsbedürftige Tumorerkrankungen in der Vergangenheit. Auf dem betroffenen rechten Auge zeigte sich eine bestkorrigierte Sehschärfe (BCVA) von 0,8. Der Vorderabschnitt war beidseits altersentsprechend und reizfrei. Fundoskopisch imponierten rechts retinale Punkt- und Fleckblutungen sowie vereinzelte zirkuläre bandförmigen Blutungen im peripheren Fundus. In der Fluoreszenzangiographie (FAG) bestätigten sich periphere Mikroaneurysmen ohne Hinweis auf retinale Ischämien. Bei Verdacht auf ein paraneoplastisches Syndrom bei bekannten multiplen Malignomen in der Vorgeschichte sowie des beidseitigen Auftretens führten wir eine Blutentnahme inklusive Blutbild, Gerinnungsparametern und Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) durch. Im Zentrallabor wies das entnommene Blut jedoch eine ungewöhnliche Hyperviskosität auf, sodass es erst nach Verdünnung messbar war. Die weiteren Ergebnisse sprachen für eine lebensbedrohliche Erkrankung, sodass die Patientin unmittelbar auf Intensivstation aufgenommen wurde. Dieser vergleichsweise milde Befund der venösen Prästase steht in diesem Fall dem schwerwiegenden und lebensbedrohlichen Krankheitsbild gegenüber. Er verdeutlicht die Relevanz der Augenheilkunde bei der interdisziplinären Diagnosestellung von Systemerkrankungen.



