188th Meeting of the Ophthalmologists of the Rhineland and Westfalia
188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
Teleophthalmologie: mit digitaler Technik Versorgungslücken schließen
Text
Angesichts der steigenden Patientenzahlen in der Augenheilkunde – auch durch den demographischen Wandel – wird die fachärztliche Versorgung zunehmend knapper. Dies gilt auch insbesondere für ländlichen Gebiete. Hinzu kommt, dass heute schon über 50% der Augenärzte 50 Jahre und älter sind, etwa 30% sogar 60 Jahre und älter. Insofern stellt sich die Frage, inwieweit telemedizinische Ansätze helfen können, Versorgungslücken zu schließen. Dabei ist die weitgehend bildgestützte Diagnostik in der Ophthalmologie besonders geeignet für telemedizinische Ansätze. Gerade in jüngerer Vergangenheit wurden erhebliche Fortschritte bei der KI-basierten automatisierten Analyse von komplexen Bilddatensätzen erzielt. Bezüglich Screening-Untersuchungen, gerade auch für die häufigen Augenerkrankungen wie diabetische Retinopathie, Glaukom und altersabhängigen Makuladegeneration gibt es in anderen bereits erfolgreiche Umsetzungen. Technisch sind Screening und Staging anhand von retinaler Bildgebung mittels Bildanalyse und KI-basierter Auswertungen möglich. Zu fordern ist dabei, die Bildgebung und Bildanalyse über die Krankenkassen abzurechnen. Angebote in Optikfachgeschäften oder Drogeriemärkten sind zum Teil mit Fragen behaftet, u.a. falsch positive Befunde und das Triggern von nachfolgenden Vorstellungen bei AugenärztInnen. Dabei werden Leistungen z.T. auch als Marketinginstrument genutzt. Ungedeckte Bedarfe bestehen auch in Seniorenheimen, wo beispielsweise die OVIS-Studie Versorgungslücken aufgedeckt hat. Hier bieten sich telemedizinische Lösungen an, deren Realisierungsmöglichkeit zuletzt in der Nachfolge-TOVIS-Studie gezeigt werden konnten. Dabei wird die Diagnostik vor Ort an nichtärztliches Personal delegiert und die Befunde nachfolgend augenärztlich ausgewertet. Jedenfalls bieten technologische Innovationen mit KI und Telemedizin sowie neue Vergütungsformen die Chance, Versorgung effizienter, patientenzentrierter und sektorenübergreifend zu gestalten. Hier gilt es nun darum, tragfähige Modelle zu entwickeln.



