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188th Meeting of the Ophthalmologists of the Rhineland and Westfalia

Verein Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
06.-07.02.2026
Bochum

Meeting Abstract

Okuläre Toxizität unter Mirvetuximab-Soravtansin – ein Fallbericht

Mohammad Khaled Alkasser - Dortmund
M. Kohlhaas - Dortmund

Text

Hintergrund: Mirvetuximab Soravtansin ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, das gezielt an den Folatrezeptor-α (FRα) bindet und das zytotoxische Maytansinoid DM4 intrazellulär freisetzt. Es ist zugelassen zur Behandlung des FRα-positiven, platinresistenten high-grade serösen Ovarialkarzinoms. Okuläre Nebenwirkungen wie Keratopathien, Sehverschlechterung und trockene Augen treten häufig auf und erfordern eine strukturierte ophthalmologische Überwachung.

Methoden: Wir berichten über eine 76-jährige Patientin mit seit 2011 bekanntem serös-papillärem Karzinom der rechten Adnexe, die nach multiplen Vorbehandlungen im Juli 2025 eine Therapie mit Mirvetuximab-Soravtansin begann. Die augenärztliche Erstuntersuchung vor Anleitung der Therapie zeigte lediglich eine milde Sicca-Symptomatik.

Ergebnisse: Im Oktober 2025 klagte die Patientin über Sehverschlechterung, Blendempfindlichkeit und Halos. Klinisch zeigten sich eine bilaterale Visusminderung, ausgeprägte Keratopathie und ein Endothelzellverlust. Die onkologische Therapie wurde gemäß Fachinformation pausiert, und eine leitliniengerechte Behandlung mit Dexamethason-Augentropfen eingeleitet. Eine Verlaufskontrolle wurde zur Re-Evaluierung der Fortführung der Systemtherapie vereinbart.

Schlussfolgerung: Dieser Fall betont die Bedeutung einer engmaschigen ophthalmologischen Überwachung unter Mirvetuximab-Soravtansin. Okuläre Toxizitäten – insbesondere Keratopathien – entstehen vermutlich durch DM4-bedingte Schädigung proliferierender Hornhautepithelzellen. Interdisziplinäre Zusammenarbeit und frühzeitige Intervention sind entscheidend, um Sehschäden zu verhindern und die Fortführung der Therapie zu ermöglichen. Prophylaktische Tränenersatzmittel und der leitliniengerechte Einsatz topischer Steroide bei Keratopathien ≥ Grad 2 sind zentrale Maßnahmen. Bei rechtzeitigem Pausieren der Behandlung sind die Befunde in der Regel reversibel, was eine sichere Fortsetzung der onkologischen Therapie erlaubt.