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188th Meeting of the Ophthalmologists of the Rhineland and Westfalia

Verein Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
06.-07.02.2026
Bochum

Meeting Abstract

Beidseitige Bindehauttumore unklarer Genese

Kirsten Julia Habbe - Dortmund
A. Albany - Dortmund
M.C. Herwig-Carl - Bonn
M. Kohlhaas - Dortmund

Text

Hintergrund: Fremdkörpergranulome der Bindehaut werden immer wieder in der Literatur beschrieben. Die Ursachen können teilweise sehr unterschiedlich sein. Die häufigsten Gründe sind iatrogen eingebrachtes Material im Zuge von Operationen oder akzidentell verbliebenes Material nach Trauma. In den meisten Fällen ist die Anamnese bereits hinweisend auf ein auslösendes Ereignis.

Methoden: Wir berichten über einen 87-jährigen männlichen Patienten, dem eine gelbliche Veränderung der Bindehaut bds. aufgefallen war, weshalb er beim Augenarzt vorstellig wurde. Bei der Untersuchung zeigten sich beidseits symmetrische Veränderungen der inferioren bulbären Bindehaut mit einer aufliegenden „gelben Kappe“. Der restliche ophthalmologische Befund war unauffällig. Bis auf ein leichtes Fremdköpergefühl äußerte der Patient keine Beschwerden. In der Vorgeschichte gab es weder eine Augenoperation noch ein Trauma. Zudem konnte der Patient nicht eindeutig angeben, seit wann die Veränderungen der Bindehaut bestanden. Wir haben diese Veränderungen beidseits in toto entfernt und zur pathologischen Begutachtung eingeschickt.

Ergebnisse: Im vorläufigen histologischen Befund wurde der Verdacht auf einen röhrenförmigen Fremdkörper geäußert. In der weiteren histologischen Aufarbeitung zeigte sich ein membranartiges, organoides Material mit zottenartiger Formation. Die Struktur war zu groß für die üblichen in der Hornhaut vorkommenden Parasiten und wies keine typischen pflanzlichen Zellstrukturen auf. Unsere Pathologie hielt es für möglich, dass es sich um Reste von Insektenanteilen oder Insekteneiern handelte. Eine weitere Begutachtung einer externen Ophthalmopathologie zeigte wiederum eine schwach Kongorotfärbung, sodass der V.a. eine Amyloidose im Raum stand. Eine entsprechende Untersuchung des Patienten fiel allerdings negativ aus.

Schlussfolgerung: Fremdkörperreaktionen auf organische Stoffe wie Insektenanteile können verschiedene Erscheinungsformen annehmen. Allerdings waren der beidseitige und symmetrisch ausgeprägte Befund in unserem Fall eher untypisch für ein durch Insektenanteile ausgelöstes Granulom. Eine generalisierte Amyloidose konnte zwar nicht nachgewiesen werden, könnte aber einen beidseitigen Befund erklären. Die histologische Untersuchung ist ein wichtiger und meist zielführender Baustein zur Diagnosefindung. Dennoch zeigt der vorliegende Fall, dass eine eindeutige Einordnung nicht immer zweifelsfrei möglich ist – besonders in Fällen mit unklarer Anamnese.