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Deutscher Rheumatologiekongress 2026

54. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), 36. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh)
09.-12.09.2026
Leipzig

Meeting Abstract

Wirksamkeit und Sicherheit von Standardimpfungen bei Patient:innen mit rheumatischen Erkrankungen unter Immunsuppression: Prospektive Real-World Analyse

Niloufar Harbehband - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Zentrum für Innere Medizin, Institut für Infektionsforschung und Impfstoffentwicklung, Hamburg, Deutschland
Kirsten Karberg - Rheumatologisches Versorgungszentrum (RVZ) Steglitz, Berlin, Deutschland
Christopher Fiebig - Rheumatologisches Versorgungszentrum (RVZ) Steglitz, Berlin, Deutschland
Marylyn Addo - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Zentrum für Innere Medizin, Institut für Infektionsforschung und Impfstoffentwicklung, Hamburg, Deutschland
Jürgen Braun - Ruhr-Universität Bochum, Bochum, Deutschland; Rheumatologisches Versorgungszentrum (RVZ) Steglitz, Berlin, Deutschland

Text

Einleitung: Patient:innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen (RMD) unter immunsuppres-siver Therapie weisen ein erhöhtes Risiko für Infektionskrankheiten auf. Gleichzeitig kann die Immun-antwort auf Impfungen reduziert sein. Ziel dieser Studie ist die systematische Untersuchung der Sicherheit und Wirksamkeit empfohlener Impfungen im klinischen Alltag.

Methoden: In einer zum Teil retrospektiven und zum Teil prospektiven, nicht-interventionellen Beobachtungsstudie wurden Patient:innen eines rheumatologischen Versorgungszentrums in der Impfsaison 2024 und 2025 gemäß den STIKO-Empfehlungen gegen Influenza, SARS-CoV-2, Pneumokokken, RSV und Herpes Zoster geimpft. Die Nachbeobachtung erfolgte mit strukturierten Telefoninterviews und standardisierten Fragebögen nach 4–6 Wochen zur Erfassung von Impfreaktionen sowie nach 6 Monaten zur Erhebung von Infektionsereignissen. Erfasst wurden demografische Parameter, krankheitsbezogene Charakteristika sowie die aktuelle Medikation (csDMARDs: konventionelle synthetische krankheitsmodifizierende Antirheumatika; bDMARDs: biologische krankheitsmodifizierende Antirheumatika; tsDMARDs: zielgerichtete synthetische krankheitsmodifizierende Antirheumatika).

Ergebnisse: Von 641 eingeschlossenen Patient:innen konnten 460 (71,8%) mit einem Durchschnittsalter von 66 ± 14,2 Jahren nachverfolgt werden. Die Kohorte umfasste 64,3% Patient:innen mit rheumatoider Arthritis, 10,9% mit Psoriasisarthritis, 10,0% mit Kollagenosen/Vaskulitiden, 9,0% mit Spondyloarthritis, 5,1% mit Polymyalgia rheumatica sowie 0,6% mit Gicht. Therapeutisch wurden v.a. b/tsDMARDs (68,7%), Methotrexat (45%) und Glukokortikoide (23%) eingesetzt.

Insgesamt wurden 635 Impfsitzungen durchgeführt, wobei pro Sitzung teilweise bis zu drei Impfstoffe appliziert wurden. Insgesamt wurden 51,8% der Patient:innen gegen Influenza, 20,8% gegen SARS-CoV-2, 16,7% gegen Pneumokokken, 13,9% gegen RSV und 12,1% gegen Herpes Zoster geimpft.

Lokale und systemische Impfreaktionen waren überwiegend mild. In 37,8% der Fälle wurden keine unerwünschten Wirkungen berichtet. Die berichteten lokalen Reaktionen umfassten Schmerzen an der Injektionsstelle (51,8%), Schwellungen (26,4%) und Rötungen (17,9%). Systemische Reaktionen wie Fieber traten nur bei 4,6% auf. Im Verlauf von durchschnittlich 6 Monaten wurden grippale Infekte bei 17,9% der Patient:innen berichtet.

Weibliche Patientinnen berichteten häufiger Nebenwirkungen als männliche Patienten (67% vs. 53%; χ² = 6,07; p = 0,014). Zwischen dem Erkrankungstyp und dem Auftreten von Nebenwirkungen zeigte sich ein statistisch signifikanter Zusammenhang (χ²(5) = 14,01; p = 0,015), was darauf hindeutet, dass die Häufigkeit von Nebenwirkungen zwischen den Erkrankungsgruppen variiert.

Schlussfolgerung: Die untersuchten Impfungen zeigten insgesamt eine gute Verträglichkeit und ein günstiges Sicherheitsprofil bei Patient:innen mit RMD unter Immunsuppression. Die beobachtete Infektionsrate entspricht weitgehend publizierten Daten der Allgemeinbevölkerung. Die Ergebnisse unterstützen bestehende Impfempfehlungen und unterstreichen die Bedeutung einer konsequenten Impfstrategie in dieser vulnerablen Patientengruppe.

Offenlegungserklärung: Es bestehen keine Interessenkonflikte.