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Deutscher Rheumatologiekongress 2026

54. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), 36. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh)
09.-12.09.2026
Leipzig

Meeting Abstract

Chitosan-induced Cogan’s-like syndrome (CICLS): Fallserie einer neuen immunvermittelten Entität in der Geburtshilfe

Isabell Haase - Universitätsklinikum Hamburg‑Eppendorf, III. Medizinische Klinik, Sektion Rheumatologie und entzündliche Systemerkrankungen, Hamburg, Deutschland
Martin Krusche - Universitätsklinikum Hamburg‑Eppendorf, III. Medizinische Klinik, Sektion Rheumatologie und entzündliche Systemerkrankungen, Hamburg, Deutschland
Ina Kötter - Auenlandklinik Bad Bramstedt, Klinik für Rheumatologie & Immunologie, Bad Bramstedt, Deutschland; Universitätsklinikum Hamburg‑Eppendorf, III. Medizinische Klinik, Sektion Rheumatologie und entzündliche Systemerkrankungen, Hamburg, Deutschland
Johannes Strunk - Krankenhaus Porz am Rhein, Klinik für Rheumatologie, Köln, Deutschland
Stephanie Knauber - Krankenhaus Porz am Rhein, Klinik für Rheumatologie, Köln, Deutschland

Text

Einleitung: Bei schweren peripartalen Blutungen kommen zunehmend Tamponaden auf Chitosanbasis zum Einsatz, um die hohe maternale Morbidität und Mortalität sowie die Rate an Notfall-Hysterektomien zu senken. Obwohl Chitosan allgemein als sicher gilt, deuten Berichte auf eine starke pro-inflammatorische Wirkung hin [1]. Das Cogan-Syndrom ist eine seltene entzündliche Erkrankung unklarer Pathogenese, die durch okuläre Entzündung und audiovestibuläre Symptome gekennzeichnet ist. Kürzlich wurden Cogan-ähnliche Beschwerdebilder in zeitlichem Zusammenhang mit einer geburtshilflichen Chitosan-Exposition beschrieben [2], [3]. Hier charakterisieren wir das klinische Spektrum, Behandlungsstrategien und Verläufe beim Chitosan-induzierten Cogan-ähnlichen Syndrom (Chitosan-induced Cogan’s-like syndrome; CICLS) in einer multizentrischen Fallserie.

Methoden: In dieser retrospektiven Fallserie wurden vier Fälle aus 2025 basierend auf Indexfällen [3] sowie zusätzlichen Fällen aus einem zweiten Zentrum analysiert. Erfasst wurden klinische und demografische Daten einschließlich geburtshilflicher Anamnese, Latenz bis zum Symptombeginn sowie okuläre, audiovestibuläre und weitere systemische Manifestationen. Zusätzlich wurden laborchemische Befunde, immunsuppressive Therapien sowie die klinischen Outcomes im Follow-up ausgewertet.

Ergebnisse: Alle Patientinnen entwickelten innerhalb von 24 Stunden nach Sectio perakut Beschwerden. Okuläre Entzündungen traten bei allen Fällen auf (4/4), meist in Form einer interstitiellen Keratitis und/oder Panuveitis; jedoch oft begleitet von weiteren Manifestationen (Tabelle 1 [Tab. 1]). Audiovestibuläre Beschwerden waren ebenfalls durchgängig vorhanden (4/4) und umfassten bilaterale sensorineurale Schwerhörigkeit, Tinnitus, Schwindel sowie Vestibularisneuritis.

Tabelle 1: Klinische Merkmale, Organbeteiligung, Therapie und Verlauf der CICLS-Fälle

Die systemische Entzündungsreaktion war ausgeprägt und manifestierte sich durch Fieber, Kopfschmerzen, Myalgien/Arthralgien, Fatigue sowie deutlich erhöhte CRP-Werte (150-412mg/L). Eine aurikuläre Chondritis wurde bei zwei Patientinnen (2/4) beobachtet, Aortitiden traten hingegen nicht auf.

Alle Patientinnen erhielten hochdosierte systemische Glukokortikoide. Aufgrund eines persistierenden oder rezidivierenden Verlaufs war bei zwei Patientinnen (2/4) eine zusätzliche Immunsuppression erforderlich, in einem Fall mit Adalimumab (Patientin 2), in einem zweiten mit Methotrexat und anschließender Eskalation auf Cyclophosphamid (Patientin 4).

Die klinischen Verläufe waren heterogen: Obwohl sich die entzündliche Aktivität bei allen Patientinnen besserte, blieben in drei Fällen (3/4) Residuen wie Gesichtsfeldausfälle, Hörminderungen oder rezidivierende neurologische Symptome.

Schlussfolgerung: Diese multizentrische Fallserie untermauert die Existenz von CICLS als seltener, potenziell schwerwiegender, immunvermittelter Komplikation nach geburtshilflicher Anwendung chitosan-basierter Tamponaden. Trotz initialen Ansprechens aller Patientinnen auf systemische Glukokortikoide war aufgrund der Schwere teilweise eine zusätzliche Immunsuppression erforderlich. Frühzeitige Diagnosestellung und rasche Therapieeinleitung sind entscheidend, um irreversible Organschäden zu verhindern. Der Einsatz von Chitosan in der Geburtshilfe könnte mit einer erhöhten Inzidenz dieses bislang wahrscheinlich unterdiagnostizierten Krankheitsbildes assoziiert sein.

Offenlegungserklärung: Die Autoren haben keine Interessenskonflikte bezüglich der berichteten Fälle.


References

[1] Oliveira MI, Santos SG, Oliveira MJ, Torres AL, Barbosa MA. Chitosan drives anti-inflammatory macrophage polarisation and pro-inflammatory dendritic cell stimulation. Eur Cell Mater. 2012 Jul 24;24:136-52; discussion 152-3. DOI: 10.22203/ecm.v024a10
[2] Mala N, Zweigart G, Fiedler LS. Multidisciplinary unravelling Cogan's syndrome post-C-section: insights into diagnosis, treatment and a possible identified new trigger. BMJ Case Rep. 2024 Dec 18;17(12):e261520. DOI: 10.1136/bcr-2024-261520
[3] Haase I, Brockmann A, Stuebiger N, Fisel P, Roehrle J, Koetter I, Janneck M, Verlohren S, Krusche M. Chitosan-induced Cogan's-like syndrome: a case series of two patients following peripartum haemorrhage. Rheumatology (Oxford). 2026 Mar 5;65(3):keag111. DOI: 10.1093/rheumatology/keag111