Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Teclistamab (BCMA×CD3) als Therapiekonzept bei therapieresistenten Autoimmunerkrankungen: Sicherheitsprofil und unerwünschte Ereignisse in einer Single-Center Fallserie
Text
Einleitung: Therapieresistente Autoimmunerkrankungen mit organbedrohlicher Manifestation stellen eine erhebliche klinische Herausforderung dar. BCMA-gerichtete Therapiestrategien sind aufgrund der gezielten Modulation autoreaktiver B-Zell- und Plasmazellkompartimente ein vielversprechender neuartiger Therapieansatz. Teclistamab, ein bispezifischer BCMAxCD3 T-cell-engager (TCE), depletiert fortgeschritten differenzierte B-Zellen und Plasmazellen wirksam [1]. Zunehmende Evidenz weist auf eine potenzielle Wirksamkeit bei Autoimmunerkrankungen hin [2], [3].
Methoden: In dieser monozentrischen, retrospektiven Fallserie wurden kurz- und langfristige Sicherheitsdaten sowie der Verlauf von Autoantikörper- und Impftitern von Patient:innen erfasst, die aufgrund therapieresistenter systemischer Sklerose (SSc), idiopathischer inflammatorischer Myopathie (IIM), Mischkollagenose (MCTD) oder ANCA-assoziierter Vaskulitis (AAV) im Rahmen eines individuellen Heilversuchs mit Teclistamab behandelt wurden.
Ergebnisse: Sechs Patient:innen (2 SSc [#1, #2], 2 IIM [#3, #6], 1 MCTD [#4], 1 AAV [#5]), davon 67% weiblich (4/6), mit einem medianen Alter von 43 Jahren erhielten je sechs Gaben Teclistamab mit einer Kumulativdosis von 6,36 mg/kg (Absolutdosis-Spanne 305 mg – 528mg) zwischen 01/25 und 03/26. Im Median hatten sie zuvor 7 Vortherapien erhalten, darunter in 6/6 Fällen Rituximab und in 3/6 Fällen Daratumumab. Das Follow-up betrug median 24 Wochen (Spanne 4-48 Wochen) nach Erstgabe. Antiinfektive Prophylaxen mit Cotrimoxazol sowie Aciclovir erhielten alle Patient:innen spätestens ab Therapiebeginn.
Insgesamt zeigte sich ein zufriedenstellendes Sicherheitsprofil (Tabelle 1 [Tab. 1]). Ein Cytokine Release Syndrome (CRS) trat bei 2/6 Patient:innen (33%) auf, darunter 1/6 Grad 1 und 1/6 Grad 2. In keinem der Fälle kam es zu einem Immune Effector Cell-Associated Neurotoxicity Syndrome (ICANS). Alle Patient:innen (6/6) entwickelten eine Hypogammaglobulinämie, im Median nach 3,5 Wochen (1 bis 8 Wochen), mit Notwendigkeit zur ersten Immunglobulin-Substitution im Median nach 6 Wochen (4 bis 24 Wochen) (Abbildung 1a [Abb. 1]). Bei 4/5 Patient:innen mit initialer Autoantikörper-Positivität fielen diese im Verlauf deutlich ab, bei 1/5 blieb ein RNAIII-Polymerase-AK positiv (Abbildung 1b-c [Tab. 1]).
Tabelle 1: Übersicht der Sicherheitsdaten nach Teclistamab-Therapie
Abbildung 1: Übersicht der Immunglobulinspiegel, Autoantikörper- und Impftiterverläufe nach Teclistamab-Therapie. 
Serielle Impftitermessungen ergaben einen Abfall bei 5/5 Patient:innen; in mehreren Fällen kam es zu einem Verlust des Impfschutzes (2/5 Masern-IgG, 1/5 Rubella-IgG, 2/5 VZV-IgG, 1/5 Tetanus-IgG, Abbildung 1d-f [Tab. 1]). 3/6 Patient:innen (50%) entwickelten Infektionen, darunter obere Atemwegsinfektionen, eine Herpes-Simplex-Infektion (Herpes labialis), COVID-19 und eine Urozystitis.
Schlussfolgerung: Der bispezifische BCMAxCD3 TCE Teclistamab demonstrierte bei verschiedenen refraktären Autoimmunerkrankungen eine deutliche und oft rasche Reduktion von Autoantikörpern. Angesichts relevanter Nebenwirkungen, insbesondere Hypogammaglobulinämie und Infektionen, sind engmaschige Kontrollen und eine sorgfältige, risikoadaptierte Patientenselektion unabdingbar. Erfahrungen zur optimalen Handhabung des Impfschutzes fehlen bislang. Zur belastbaren Einordnung von Ansprechdauer und Langzeitsicherheit werden längere Nachbeobachtungen und randomisiert-kontrollierte Studien benötigt.
Offenlegungserklärung: Die Autoren geben keine Interessenskonflikte im Kontext der berichteten Fälle an.
References
[1] Pillarisetti K, Powers G, Luistro L, Babich A, Baldwin E, Li Y, Zhang X, Mendonça M, Majewski N, Nanjunda R, Chin D, Packman K, Elsayed Y, Attar R, Gaudet F. Teclistamab is an active T cell-redirecting bispecific antibody against B-cell maturation antigen for multiple myeloma. Blood Adv. 2020 Sep 22;4(18):4538-4549. DOI: 10.1182/bloodadvances.2020002393[2] Bucci L, Böltz S, Hagen M, Tur C, Nöthling DM, Rothe T, Wirsching A, Auth J, Wacker J, Eckstein M, Alivernini S, Bozec A, Bergmann C, D'Agostino MA, Munoz L, Rech J, Kihm L, Raimondo MG, Schett G, Grieshaber-Bouyer R. BCMA T-Cell Engager Therapy in Patients with Refractory Autoimmune Disease. N Engl J Med. 2025 Oct 16;393(15):1544-1547. DOI: 10.1056/NEJMc2506740
[3] Düsing C, Györfi AH, Stütz AN, Lahu LM, Deicher FS, Li YN, Bruch PM, Matei AE, Micu A, Filla T, Koziel S, Hölscher AS, Röhrich M, Lorenz HM, Cramer M, Antoch G, Timm J, Abusabha Y, Ruck T, Homey B, Kreuter A, Buehring B, Radujkovic A, Heußel CP, Hagen M, Grieshaber-Bouyer R, Schett G, Brunn A, Dietrich S, Merkt W, Distler JHW. Bispecific T cell engagers for treatment-refractory autoimmune connective tissue diseases. Nat Med. 2026 Apr;32(4):1530-1542. DOI: 10.1038/s41591-026-04238-4



