Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Multidimensionale Analyse von Patient:innen mit U1RNP-positiven Antikörpern und Myositis
Text
Einleitung: Die Mischkollagenose, definiert durch hohe U1RNP-Antikörper und überlappende Symptome weiterer entzündlich rheumatischer Erkrankungen, kann sich auch mit einer Myositis präsentieren. Die morphologischen Charakteristika der U1RNP-positiven Myositis sowie die zugrundeliegenden Pathomechanismen sind jedoch weitestgehend unbekannt. Ziel der Studie war daher, durch eine multidimensionale Analyse eine bessere Charakterisierung der U1RNP-positiven Myositis zu ermöglichen und eventuelle pathophysiologische Zusammenhänge aufzudecken.
Methoden: Klinische Daten der eingeschlossenen Patient:innen wurden retrospektiv ausgewertet. 20 Muskelbiopsien von Patient:innen mit hohen U1RNP-Antikörpern und diagnostizierter Myositis wurden mittels Histologie, Immunhistochemie und Transkriptomik analysiert.
Ergebnisse: Die Mehrheit der Patient:innen war weiblich (75%, 15/20), das durchschnittliche Alter betrug 49 Jahre (24–72 Jahre) und 94% (16/17) der Patient:innen präsentierten sich mit sowohl Myalgien als auch einer proximalen Muskelschwäche. Neben hochtitrigen U1RNP-Antikörpern wiesen 94% (16/17) der Patient:innen weitere Antikörper (insbesondere Rheumafaktoren, CCP-, Ro52-, Sm- oder RNP70-Antikörper) und 95% (18/19) erhöhte CK-Werte zum Zeitpunkt der Biopsie auf.
In der histopathologischen Analyse ließen sich drei unterschiedliche Subtypen differenzieren: (i) 45% (9/20) der Patient:innen wiesen einen immun-mediierte nekrotisierende Myopathie (IMNM)-ähnlichen Phänotyp, jedoch ohne klassisches p62-Muster und mit additiver MHC-Klasse II-Positivität, auf. (ii) 25% (5/20) hatten einen Skleromyositis-ähnlichen Phänotyp mit jedoch auch leichter Nekrose und perifaszikulären Veränderungen. (iii) 30% (6/20) zeigten einen Antisynthetase-Syndrom-ähnlichen Phänotyp mit jedoch additiver Perivaskulitis (Abbildung 1 [Abb. 1]).
Abbildung 1: Repräsentative histopathologische und immunhistochemische Untersuchungen der drei identifizierten Subtypen der U1RNP-positiven Myositis. A-C: Immun-mediierte-nekrotisierende Myopathie-ähnlicher Subtyp mit Nekrosen und Myophagozytosen: A Gömöri-Trichrom, B MHC-Klasse I, C CD8 D-F: Skleromyositis-ähnlicher Subtyp mit pathologischen Kapillaren und sehr milden inflammatorischen Veränderungen: D Gömöri-Trichrom, E MHC-Klasse I, F CD8 G-I: Antisynthetase-Syndrom-ähnlicher Subtyp mit perifaszikulärer Positivität von MHC-Klasse I und II: G Gömöri-Trichrom, H MHC-Klasse I, I MHC-Klasse II
Erste transkriptionelle Untersuchungen zeigen eine signifikante Hochregulation von Typ I- und Typ II-Interferon-assoziierten Genen (IFIT1, IFNG, ISG15, MX1, p<0.05), insbesondere in der IMNM-ähnlichen Subgruppe, sowie eine deutliche Hochregulation von Toll-like-Rezeptoren 7 und 8 (p<0.001), verglichen mit nicht-erkrankten Kontrollen.
Schlussfolgerung: Unsere multidimensionale Analyse der U1RNP-positiven Myositis wies drei unterschiedliche morphologische Phänotypen auf, die zwar bekannten Myositis-Entitäten ähneln, sich jedoch auch substantiell von ihnen unterscheiden. Erste transkriptomische Ergebnisse deuten auf eine potentielle Rolle von Interferonen sowie Toll-like-Rezeptoren in der Pathogenese der U1RNP-positiven Myositis hin. Letztlich stellt sich aber aufgrund dieser Ergebnisse die Frage, ob es sich bei der U1RNP-positiven Myositis tatsächlich um eine Krankheitsentität im Rahmen einer Mischkollagenose, oder aber um komplexe Overlap-Myositiden mit diversen Pathomechanismen handelt.
Offenlegungserklärung: Teile des Projektes wurden durch die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke finanziert. MTH wurde durch das Clinician-Scientist-Programm der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung (iPRIME – UKE, Hamburg) unterstützt. Geteilte Letztautorenschaft MK, CP und WS.



