Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Atypische spontane Hämatome und Purpura im Jugendalter: Psychogene Purpura (Gardner-Diamond-Syndrom) als differenzialdiagnostische Erwägung in einer kleinen pädiatrischen Fallserie
Text
Einleitung: Die psychogene Purpura (Gardner-Diamond-Syndrom) ist eine seltene aber vermutlich oft nicht erkannte Differenzialdiagnose spontaner Hämatome und Purpura im Jugendalter. Die klinische Präsentation ist variabel und kann entzündliche, hämatologische oder dermatologische Erkrankungen imitieren. Ziel dieser Arbeit ist die Beschreibung einer kleinen monozentrischen Fallserie mit Fokus auf klinische Heterogenität und diagnostische Herausforderungen im pädiatrischen Alltag.
Methoden: Retrospektiv wurden bislang drei pädiatrische Patienten mit spontanen, rezidivierenden Hämatomen beziehungsweise Purpura und klinischer Einordnung im Spektrum eines Gardner-Diamond-Syndroms ausgewertet. Erfasst wurden klinische Präsentation, Rezidivmuster, Begleitsymptome, psychosoziale Belastungsfaktoren, diagnostisches Vorgehen, interdisziplinäre Mitbeurteilungen und Verlauf. Aufgrund der unterschiedlichen Vortestwahrscheinlichkeit und klinischen Konstellation erfolgte die Abklärung nicht einheitlich, sondern fallbezogen.
Ergebnisse: Die Fälle zeigten ein heterogenes Bild mit spontan auftretenden, rezidivierenden Hämatomen, Ekchymosen oder Purpura, teils mit, teils ohne relevante Schmerzsymptomatik. Ein Fall präsentierte sich initial mit Erythema nodosum-ähnlichen Läsionen und wechselte im Verlauf zu persistierenden hämatomartigen Befunden. Bei atypischer Klinik erfolgte eine stufenweise somatische Abklärung. Wenn keine Red Flags bestanden und psychosoziale Belastungsfaktoren frühzeitig erkannt wurden, beschränkte sich diese im Wesentlichen auf eine Basisdiagnostik zum Ausschluss von Gerinnungsstörung, Infektion und systemischer Inflammation. In einzelnen Fällen wurde erfolgte eine weiterführende Diagnostik einschließlich Histologie und interdisziplinärer Vorstellung, jedoch ohne richtungsweisenden organischen Befund. Die diagnostische Einordnung ergab sich durch die Gesamtkonstellation aus wiederkehrenden oder anhaltenden Läsionen, unauffälliger somatischer Diagnostik, psychischen Belastungsfaktoren und Erfüllung der psychosomatischen Positivkriterien (Inkonsistenz, Inkongruenz, Variabilität und Ablenkbarkeit).
Schlussfolgerung: Eine Psychogene Purpura sollte bei Jugendlichen mit atypischen spontanen Hämatomen oder Purpura ohne wegweisenden organischen Befund differenzialdiagnostisch mitbedacht werden. Die Fallserie unterstreicht die klinische Heterogenität und die Notwendigkeit eines pragmatischen, falladaptierten Vorgehens zwischen angemessener somatischer Ausschlussdiagnostik und frühzeitiger psychosomatischer Einordnung. Die Herausforderung liegt insbesondere im schmalen Grat zwischen sicherem Ausschluss einer somatischen Erkrankung und der Verstärkung einer psychosomatischen Symptomatik durch umfangreiche diagnostische Aufmerksamkeit. Weitere pädiatrische Fallmeldungen sind erforderlich um klinische Muster, sinnvolle Basisdiagnostik, den Stellenwert weiterführender Abklärungen und den Zeitpunkt für die Einleitung einer psychosomatischen Beurteilung besser zu definieren.



