Deutscher Rheumatologiekongress 2026
Deutscher Rheumatologiekongress 2026
Patientenzufriedenheit mit einem RFA-basierten rheumatologischen Versorgungsweg – zeitlicher Vergleich zweier Querschnittsbefragungen
Text
Einleitung: Die systematische Einbindung Rheumatologischer Fachassistentinnen (RFA) [1] in den Praxisablauf ermöglicht in vielen rheumatologischen Praxen eine ressourceneffiziente Patientenversorgung. In der rheumatologischen Schwerpunktpraxis wurde 2023 ein strukturierter Versorgungsweg implementiert (Patient Reported Outcomes, Blutentnahme, standardisiertes RFA-Anamnesegespräch, ärztliche Untersuchung und Konsultation) und kontinuierlich weiterentwickelt. Details und erste Befragungsergebnisse wurden vorgestellt [2]. Ziel dieser Arbeit ist die Evaluation der Patientenzufriedenheit im Zeitverlauf anhand zweier Querschnittsbefragungen (2024 und 2026).
Methoden: In zwei Erhebungszeiträumen (März 2024: n=125; März 2026: n=106) wurden im Rahmen des Qualitätsmanagements konsekutive Patienten mit einem standardisierten Fragebogen befragt. Sieben Items wurden auf einer numerischen Ratingskala (NRS 0–10, 0=bestes Ergebnis) erfasst: Praxisablauf, Zeitersparnis, RFA-Gespräch, ärztliche Konsultationszeit, Informationsmöglichkeiten, Fragenbeantwortung und Weiterempfehlung. Aus allen Items wurde ein Gesamtscore gebildet. Klinische Daten wurden aus der Dokumentationsoftware RheDAT extrahiert und deskriptiv ausgewertet (Mean±SD, Median, IQR). Als Limitation ist zu beachten, dass es sich um eine monozentrische Befragung in der versorgenden Praxis handelt; ein Bias im Sinne sozialer Erwünschtheit kann nicht ausgeschlossen werden. Auch ein Selektionsbias durch Teilnahmeende unzufriedener Patienten ist denkbar.
Ergebnisse: Befragung mit 3 Rheumatolog:innen durchgeführt. Beide Kohorten wiesen eine vergleichbare Diagnoseverteilung auf (2024/2026: rheumatoide Arthritis 56,0%/59,4%, Psoriasisarthritis 17,6%/19,8%, axiale Spondyloarthritis 11,2%/14,2%, Verschiedene [v.a. Polymyalgia rheumatica, Kollagenosen, Vaskulitiden] 15,2%/9,4%). Der Anteil erfahrener Patienten (>3 Besuche im RFA-Modell) stieg deutlich von 2,4% (2024) auf 56,2% (2026). Detaillierte Zufriedenheitswerte sind in Tabelle 1 [Tab. 1] dargestellt. Der Gesamtscore verbesserte sich von 1,36±1,46 auf 0,80±1,16 (Median: 1,00 vs. 0,29). Signifikante Verbesserungen betrafen auch Zeitersparnis (2,61 vs. 1,33), Informationsmöglichkeiten (1,75 vs. 0,93) und Praxisablauf (1,15 vs. 0,71). Der aus dem Item „Weiterempfehlung“ abgeleitete Net Promoter Score (NPS)² verbesserte sich von 63 (2024: 74,8% Promoters, 12,2% Detractors) auf 78 (2026: 83,0% Promoters, 4,7% Detractors).
Tabelle 1: Zufriedenheitsbewertung im Zeitvergleich 2024 vs. 2026. ¹Mann-Whitney-U-Test (zweiseitig) auf Unterschied der Mediane zwischen 2024 und 2026; * p<0,05; ** p<0,01; *** p<0,001.
Schlussfolgerung: Über zwei Jahre zeigte sich eine konsistent sehr gute, teilweise signifikant verbesserte Patientenzufriedenheit mit dem RFA-basierten Versorgungsweg über alle erfassten Dimensionen. Da beide Erhebungen unabhängige Querschnitte darstellen, können Gewöhnungseffekte und eine tatsächliche Prozessoptimierung als Ursachen der Verbesserung nicht getrennt werden. Die Ergebnisse stützen die nachhaltige Implementierung delegationsbasierter Versorgungsstrukturen in der Rheumatologie.
References
[1] Krause A, Schuch F, Braun J, Gauler G, Hoeper K, Krüger K, Wallhäuser M, Voormann AJ. Delegation ärztlicher Leistungen in der Rheumatologie [Delegation of medical tasks in rheumatology]. Z Rheumatol. 2020 Mar;79(2):123-131. German. DOI: 10.1007/s00393-020-00760-z[2] Kleinert S, Burigk K, Baltrusch S, Ronneberger M, Rapp P, Wendler J, Schuch F. RFA (Rheumatologische Fachassistenz) basierte Sprechstunde: Struktur, Effizienz und Beurteilung durch die Patienten. In: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie; Deutsche Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie; Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie, editors. Deutscher Rheumatologiekongress 2024, 52. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), 38. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh). Düsseldorf, 18.-21.09.2024. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2024. DocEV.10. DOI: 10.3205/24dgrh037



