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38. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft

Retinologische Gesellschaft
03.-04.07.2026
Badenweiler

Meeting Abstract

Mikrobiota-basierte Modulation retinaler Entzündung und neurovaskulärer Integrität

Kazim Hilmi Or - Hamburg

Text

Hintergrund: Die Darmmikrobiota hat sich als ein zentraler Regulator der systemischen immunologischen und metabolischen Homöostase erwiesen. Zunehmende Evidenz zeigt zudem einen Zusammenhang zwischen der Zusammensetzung der intestinalen Mikrobiota und der Gesundheit der Retina. Über die Mikrobiota selbst hinaus haben mikrobiotabasierte Interventionen – einschließlich Präbiotika, Probiotika und Postbiotika – zunehmende Aufmerksamkeit erhalten, da sie das Potenzial besitzen, über die Darm-Retina-Achse retinalen Entzündungen, oxidativen Stress und die vaskuläre Integrität zu modulieren.

Methoden: Diese narrative Übersichtsarbeit fasst experimentelle, translationale und neuere klinische Studien zusammen, die zwischen 2022 und 2026 veröffentlicht wurden und die Effekte der Darmmikrobiota sowie zugehöriger Prä-, Pro- und Postbiotika auf Struktur und Funktion der Retina untersuchen. Besonderer Schwerpunkt liegt auf immunologischen und metabolischen Mechanismen, die für die Modulation retinaler Erkrankungen relevant sind.

Ergebnisse: Die derzeitige Evidenz zeigt, dass von der Darmmikrobiota abgeleitete Metaboliten – insbesondere kurzkettige Fettsäuren und Postbiotika – die Gesundheit der Retina beeinflussen können, indem sie entzündliche Signalwege reduzieren, antioxidative Abwehrmechanismen stärken, die retinale Architektur erhalten und die mikrovaskuläre Funktion verbessern. Präklinische Studien zeigen protektive Effekte in Modellen der diabetischen Retinopathie, der durch Blaulicht induzierten Retinopathie sowie der retinalen Neurodegeneration. Probiotika und Postbiotika können die Aktivierung von Immunzellen modulieren, das mikrobielle Gleichgewicht wiederherstellen und retinale Zellschäden abschwächen. Der Großteil der verfügbaren Daten stammt jedoch aus Tiermodellen; Studien am Menschen sind bislang begrenzt.

Schlussfolgerungen: Die Darmmikrobiota sowie damit verbundene Prä-, Pro- und Postbiotika stellen vielversprechende Modulatoren der retinalen Gesundheit dar, die über komplexe immunologische und metabolische Signalwege wirken. Weitere gut konzipierte klinische Studien sind erforderlich, um diese Erkenntnisse in gezielte therapeutische Strategien zur Behandlung retinaler Erkrankungen zu überführen.