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38. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft

Retinologische Gesellschaft
03.-04.07.2026
Badenweiler

Meeting Abstract

Sklerotomieverschluss mit Ultraschall – wie die nahtlose Vitrektomie wirklich nahtlos wird. Ergebnisse einer Pilotstudie

Nataliia Mala - Münster
L. Hesse - Heilbronn

Text

Ziel: Die transkonjunktivale nahtlose Vitrektomie gilt als Standardverfahren in der vitreoretinalen Chirurgie. In der klinischen Realität erfordern jedoch bis zu 45% der Augen mindestens eine Naht – ein Widerspruch zum Konzept der nahtlosen Technik. Die Übernähung verlängert nicht nur die Operationszeit, sondern verursacht postoperative Schmerzen, Fremdkörpergefühl und Granulombildung. Bisherige Verschlusstechniken sind entweder in ihrer Wirksamkeit nicht eindeutig belegt, kostenintensiv oder mit relevanten Nebenwirkungen wie thermischer Gewebeschädigung verbunden. Ziel dieser Studie war die Evaluation der Wirksamkeit und Sicherheit einer fokalen Ultraschallanwendung zum Verschluss von 23-Gauge-Sklerotomien im Vergleich zum Standardverfahren.

Methode: In einer monozentrischen, prospektiven, randomisierten, kontrollierten Pilotstudie wurden 60 Patienten mit geplanter 23-Gauge-Vitrektomie intraoperativ in eine Studiengruppe (n=30, Ultraschallverschluss) und eine Kontrollgruppe (n=30, Standardverfahren mit spontaner Abdichtung) randomisiert. Die Randomisierung erfolgte erst unmittelbar vor Entfernung der Trokare, um einen intraoperativen Bias zu vermeiden. In der Studiengruppe wurde nach Entfernung jedes Ports die Phakoemulsifikationssonde (Stellaris Elite, 15% Ultraschallenergie) für 15–20 Sekunden extern auf die Sklerotomie appliziert. In der Kontrollgruppe wurde nach der Entfernung der Trokare für drei Minuten abgewartet. Beide Gruppen erhielten eine standardisierte Dichtigkeitsprüfung mit Provokationstest. Primärer Endpunkt war die Anzahl der Sklerotomien, die eine Übernähung erforderten. Sekundäre Endpunkte umfassten den intraokularen Druck, postoperative Beschwerden (Schmerzen und Fremdkörpergefühl auf einer numerischen Skala von 0–10), die Endothelzellzahl, die Häufigkeit der Granulombildung, die intraoperative Temperaturmessung sowie die OCT-gestützte Analyse der Sklerotomiemorphologie im Verlauf.

Ergebnis: Beide Gruppen waren hinsichtlich aller Ausgangsparameter vergleichbar. In der Kontrollgruppe musste bei 18 von 30 Patienten (60,0%) mindestens eine Sklerotomie übernäht werden, in der Studiengruppe lediglich bei einem von 30 Patienten (3,3%; p<0,001). Auf Sklerotomieebene sank die Übernähungshäufigkeit von 26,7% (24/90) auf 2,2% (2/90; p<0,001). Die postoperativen Druckwerte zeigten keine klinisch relevanten Unterschiede; die Häufigkeit einer postoperativen Hypotonie unterschied sich nicht statistisch signifikant zwischen den Gruppen. Bei der Abschlusskontrolle nach vier Wochen berichteten noch 36,7% der Patienten in der Kontrollgruppe über Schmerzen, während in der Studiengruppe kein Patient mehr Schmerzen angab (p<0,001). Granulome traten in der Studiengruppe hochsignifikant seltener auf (6,7% gegenüber 43,3%; p=0,003). Der Endothelzellverlust unterschied sich nicht signifikant zwischen den Gruppen, weder bei isolierter Vitrektomie (p=0,917) noch bei kombinierter Operation (p=0,632). Die Gewebetemperatur während der Ultraschallanwendung erreichte einen Höchstwert von 57 Grad Celsius für wenige Sekunden pro Anwendung (Mittelwert 42,4 Grad Celsius) und lag damit deutlich unter der kritischen Schwelle für eine thermische Skleraschädigung. Die OCT-Analyse zeigte in beiden Gruppen eine vergleichbare Heilungsdynamik mit vollständigem Sklerotomieverschluss nach vier Wochen.

Schlussfolgerung: Die fokale Ultraschallanwendung mittels Phakoemulsifikationssonde zeigte in unserer Pilotstudie eine hohe Wirksamkeit zum Verschluss von 23-Gauge-Sklerotomien. Sie senkte die Häufigkeit einer erforderlichen Übernähung und führte dadurch zu einer deutlichen Verringerung postoperativer Beschwerden sowie der Granulombildung. Die Methode erfordert keine zusätzlichen Verbrauchsmaterialien, verlängert die Operationszeit nur geringfügig und nutzt in jeder ophthalmochirurgischen Einrichtung vorhandene Geräte. Die Ergebnisse dieser Pilotstudie sollen in einer multizentrischen Folgestudie validiert werden.