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Jahrestagung Kinderurologie 2026


16.-17.01.2026
Mainz

Meeting Abstract

Behandlungsergebnisse nach strukturierter Urotherapie bei Kindern mit funktioneller Harninkontinenz

Christoph Schad - Cnopfsche Kinderklinik, Abteilung für Kinderchirurgie und Kinderurologie, Nürnberg, Deutschland
Felix Wachter - Kinder- und Jugendklinik, Universitätsklinikum Erlangen, Friedrich-Alexander-Universität (FAU), Erlangen, Deutschland
Ana-Marija Schmidt - Cnopfsche Kinderklinik, Abteilung für Kinderchirurgie und Kinderurologie, Nürnberg, Deutschland
Maximilian Stehr - Operatives Kinderzentrum, Klinik St. Hedwig, Krankenhaus Barmherzige Brüder, Regensburg, Deutschland
Frank-Mattias Schäfer - Operatives Kinderzentrum, Klinik St. Hedwig, Krankenhaus Barmherzige Brüder, Regensburg, Deutschland

Text

Fragestellung: Funktionelle Harninkontinenz bei Kindern ist eine weit verbreitete Erkrankung in der klinischen Praxis. Nicht-pharmazeutische urotherapeutische Ansätze gewinnen als Behandlungsinstrumente zunehmend an Bedeutung, ihre Wirksamkeit wurde jedoch bislang nicht untersucht. Ziel dieser Studie ist es, die Ergebnisse von Kindern mit funktioneller Harninkontinenz nach strukturierter Urotherapie auf Grundlage der Konsensusgruppe Kontinenzschulung (KgKS e. V.) zu bewerten und potenzielle Einflussfaktoren zu identifizieren.

Material & Methoden: Es wurde eine retrospektive Analyse von 297 Kindern im Alter von 5 bis 16 Jahren durchgeführt, die zwischen 2017 und 2022 eine strukturierte Urotherapie absolviert hatten. Die Patienten nach Inkontinenzform (nicht-monosymptomatische Enuresis nocturna, isolierte Tagesinkontinenz und dysfunktionale Blasenentleerung ohne Inkontinenz) eingeteilt. Zusätzlich erfolgte eine strukturierte Erfassung, um signifikante Prädiktoren für den Erfolg zu identifizieren. Die Bewertung des Therapieerfolgs im Kurzzeit- und Langzeitverlauf erfolgte nach den Kriterien der ICCS.

Ergebnisse: 214 Patienten konnten mit einem ausreichenden Follow-up eingeschlossen werden. Bei 88,3 % wurde im Kurzzeitverlauf ein mindestens teilweiser Erfolg festgestellt, während 44,4 % eine vollständige Trockenheit erzielten. 83,0 % der 94 Patienten, die für eine Langzeitnachuntersuchung zur Verfügung standen, behielten über zwei Jahre hinweg einen vollständigen Erfolg bei. Weibliche Patienten zeigten im Vergleich zu männlichen Patienten signifikant höhere anfängliche Erfolgsraten (p = 0,028). Die multiple logistische Regression identifizierte den Miktionsaufschub als positiven Prädiktor für den Erfolg, während Alter, psychosozialer Stress und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung mit niedrigeren Erfolgsraten assoziiert waren (p = 0,0002). Patienten mit Miktionsaufschub hatten eine 2,5-mal höhere Wahrscheinlichkeit, einen Behandlungserfolg zu erzielen, als Patienten ohne Miktionsaufschub, während ADHS-Patienten im Vergleich zu Kindern ohne ADHS eine fünfmal geringere Wahrscheinlichkeit hatten, einen Behandlungserfolg zu erzielen. Insgesamt lag die anfängliche Erfolgsrate bei Patienten ohne psychosozialen Stress oder ADHS bei 94,8 %, wobei die Kategorien „partielle“ und „vollständige“ Trockenheit berücksichtigt wurden, während 88,0 % dieser Patienten in der Kategorie auch langfristig eine vollständige Trockenheit zeigten.

Schlussfolgerung: Standardisiertes Urotherapie nach der KgKS e. V. ist eine wirksame Erstlinienbehandlung für Funktionelle Harninkontinenz bei Kindern, wobei bei Patienten ohne Komorbiditäten signifikant besser abschnitten. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung maßgeschneiderter Interventionen und die potenziellen Vorteile multidisziplinärer Ansätze, die Verhaltensfaktoren in therapeutischen Protokollen berücksichtigen.