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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Wahrnehmung von Diagnose und Monitoring benigner Schilddrüsenknoten – eine qualitative Interviewstudie mit Patient:innen
Text
Hintergrund: Die Prävalenz von Schilddrüsenknoten ist hoch und nimmt mit steigendem Alter zu. Maligne Befunde sind selten und prognostisch meist günstig. Knoten werden häufig zufällig entdeckt, etwa durch eine Sonographie. Dies kann diagnostische und therapeutische Kaskaden auslösen, deren Nutzen nicht ausreichend belegt ist. Trotz meist asymptomatischer Verläufe ist unklar, wie Patient:innen benigne Schilddrüsenknoten wahrnehmen und bewerten.
Zielsetzung/Fragestellung: Wie nehmen Patient:innen benigne Schilddrüsenknoten wahr und welchen Krankheitswert schreiben sie ihnen zu? Welche Faktoren beeinflussen ihr Entscheidungsverhalten hinsichtlich regelmäßiger Kontrolluntersuchungen und diagnostischer Maßnahmen?
Material & Methoden: Zwischen Juni und August 2025 wurden qualitative, semistrukturierte Einzelinterviews geführt, die mittels thematischer Inhaltsanalyse ausgewertet wurden.
Ergebnisse: An den Interviews nahmen 21 Patient:innen mit der Diagnose benigne Schilddrüsenknoten teil. Die Entdeckung erfolgte meist zufällig in der Hausarztpraxis. Vor der Diagnose bestand geringes Vorwissen zu Schilddrüsenknoten und die Erkrankung erschien zunächst wenig relevant. Mit der Diagnose änderte sich die Wahrnehmung teils deutlich: Knoten wurden als bedrohlich erlebt, mit Ängsten vor Wachstum oder Malignität. Auch nach der Diagnosestellung berichteten die Betroffenen häufig von lückenhaftem Wissen. Die Aufklärung über Diagnostik sowie mögliche Risiken wurde nur von wenigen Patient:innen als ausreichend wahrgenommen. Kontrolluntersuchungen wurden von den Betroffenen überwiegend als notwendig erachtet, teilweise jedoch als zeitintensive und emotional belastende Routine erlebt. Die Initiative zur Terminvereinbarung der regelmäßigen Kontrollen ging dabei meist von den Ärzt:innen aus, nicht von den Patient:innen selbst.
Diskussion: Auch wenn Schilddrüsenknoten in den allermeisten Fällen gutartig sind und für die Betroffenen keine Risiken bergen, werden sie von Patient:innen als beängstigend erlebt. Dies steht im Einklang mit der bekannten Verunsicherung durch Zufallsbefunde. Unzureichende Aufklärung und Wissenslücken zeigen Bedarf an strukturierten Kommunikationskonzepten.
Take Home Message für die Praxis: Shared Decision Making kann dazu beitragen, patientenseitige Ängste und Wissenslücken im Umgang mit benignen Schilddrüsenknoten zu adressieren und ein risikoadaptiertes Monitoring zu fördern. Hausärzt:innen kommt dabei eine zentrale Rolle zu: Eine kontextgerechte Einordnung als klinisch nicht relevante Zufallsbefunde kann Verunsicherung und diagnostischer Überversorgung entgegenwirken.
Interessenkonflikte: Keine



