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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Individuelle und regionale Einkommenseffekte auf Gesundheit: eine Anwendung der Within-Between-Dekomposition mit Daten des RKI-Panels 2024

Niels Michalski - RKI – Robert Koch-Institut, FG Soziale Determinanten der Gesundheit, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland
Carolin Heil - RKI – Robert Koch-Institut, FG Soziale Determinanten der Gesundheit, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland
Stephanie Hoffmann - Brandenburgische TU Cottbus-Senftenberg, FG Gesundheitswissenschaften, Senftenberg, Deutschland; Brandenburgische TU Cottbus-Senftenberg, Lausitzer Zentrum für Digital Public Health, Senftenberg, Deutschland
Jacob Spallek - Brandenburgische TU Cottbus-Senftenberg, FG Gesundheitswissenschaften, Senftenberg, Deutschland; Brandenburgische TU Cottbus-Senftenberg, Lausitzer Zentrum für Digital Public Health, Senftenberg, Deutschland
Jens Hoebel - RKI – Robert Koch-Institut, FG Soziale Determinanten der Gesundheit, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Deutschland

Text

Inhalt: Auch in Deutschland berichten sozioökonomisch benachteiligte Menschen im Vergleich zu wohlhabenderen Bevölkerungsgruppen eine schlechtere Gesundheit und weisen eine höhere Krankheitslast sowie Sterblichkeit auf. Mehrebenenanalysen weisen auf eigenständige Kontexteffekte regionaler sozioökonomischer Benachteiligung hin, die über die bloße Aggregation individueller Merkmale hinausgehen. Einkommenseffekte werden in sozial- und gesundheitswissenschaftlichen Studien jedoch häufig ausschließlich auf individueller Ebene interpretiert, ohne regionale Heterogenität (z.B. Arbeitsmarktlage, Infrastruktur, kulturelle Normen) zu berücksichtigen, die mit dem Einkommen korreliert. Der Verzicht auf eine Differenzierung zwischen individuellen und kontextuellen Zusammenhängen kann deshalb in extremen Fällen zu Fehlinterpretationen führen.

Dieser Beitrag stellt die Within–Between-Dekomposition nach Mundlak (1978) vor, mit der individuelle von regionalen Einkommensunterschieden (z. B. auf Ebene von Stadt- und Landkreisen) getrennt werden. Dabei werden die individuellen Einkommenswerte in einer Mehrebenenregression als Abweichungen vom Kreismittelwert (Within-Komponente) operationalisiert, während die Between-Komponente nur Unterschiede zwischen Kreisen abbildet. Kompositionelle Unterschiede werden durch die Kontrolle relevanter soziodemografischer Variablen (Alter, Geschlecht, Bildung etc.) berücksichtigt.

Das Vorgehen wird anhand von Daten der Jahreserhebung 2024 der Studie „Gesundheit in Deutschland“ (RKI-Panel 2024) illustriert. Die Befragungsdaten enthalten Information über 37.192 Erwachsene aus 223 deutschen Stadt- und Landkreisen (n = 9 bis 2.668 pro Kreis). Analysiert werden Zusammenhänge zwischen dem aus Selbstangaben berechneten Nettoäquivalenzeinkommen mit den Gesundheitsmerkmalen selbsteingeschätzter allgemeiner Gesundheitszustand, depressive Symptomatik (PHQ-8-Summenscore ≥ 10) und Adipositas (BMI ≥ 30).

Die Ergebnisse werden anhand durchschnittlicher marginaler Effekte (Average Marginal Effects) präsentiert, die Within- und Between-Einkommenseffekte vergleichbar machen. Diskutiert werden Implikationen für die Interpretation der Einkommenseffekte, etwa die Analyse der Stärke des Within- im Vergleich zum Between-Effekt, sowie Interaktionen zwischen Individual- und Kontexteffekten sowie typische methodische Fallstricke.

In welchem Ausmaß der individuelle Gesundheitszustand über das eigene Einkommen hinaus durch den sozioökonomischen Kontext der Wohnregion geprägt wird, bleibt Gegenstand der Debatte in der sozialepidemiologischen und gesundheitlichen Ungleichheitsforschung. Eine differenzierte Analyse individueller und kontextueller Einkommenseffekte kann dazu beitragen, strukturelle Unterschiede in den sozioökonomischen Determinanten und Mechanismen von Gesundheit zwischen Regionen empirisch deutlicher herauszuarbeiten und strukturelle Maßnahmen zur Verringerung der gesundheitlichen Ungleichheit besser zu informieren.

Interessenkonflikte: Keine