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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Mundgesundheit von Menschen mit Migrationsgeschichte – Ergebnisse der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie

Berit Lieske - Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf / UKE, Poliklinik für Parodontologie, Präventive Zahnmedizin und Zahnerhaltung, Hamburg, Deutschland

Text

Einführung: Frühere Studien haben einen signifikanten Zusammenhang zwischen Migrationsgeschichte und Mundgesundheit gezeigt. Auch unter Berücksichtigung potenzieller Störfaktoren bleibt die Migrationsgeschichte ein unabhängiger Risikofaktor für einen schlechteren Mundgesundheitszustand. Im Rahmen der 6. Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS • 6) wurden Krankheits- und Versorgungsprävalenzen von Personen mit Migrationsgeschichte auf Bevölkerungsebene erhoben. Ziel des vorliegenden Artikels ist es, den Zusammenhang zwischen Migrationsgeschichte, Bildungsstatus und Mundgesundheit zu analysieren.

Methode: Die Zusammenhänge zwischen Migrationsgeschichte und verschiedenen mundgesundheitsbezogenen Merkmalen wurden getrennt nach Altersgruppen untersucht. Berücksichtigt wurden dabei ältere Kinder (12-Jährige), Erwachsene (20-Jährige, 35- bis 44-Jährige und 43- bis 52-Jährige) sowie Seniorinnen und Senioren (65- bis 74-Jährige und 73- bis 82-Jährige).

Ergebnisse: Über alle Altersgruppen hinweg zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen Migrationsgeschichte und schlechterer Mundgesundheit sowie nachteiligerem Gesundheitsverhalten. Auch nach Adjustierung für Alter, Geschlecht und Bildungsstatus wiesen Personen mit Migrationsgeschichte höhere Plaquewerte, mehr Blutungsstellen, eine höhere Prävalenz kariöser Zähne, eine geringere Zahnputzhäufigkeit sowie eine vorwiegend beschwerdeorientierte Inanspruchnahme zahnärztlicher Leistungen auf.

Schlussfolgerungen: Der Bildungsstatus gilt als etablierter Risikofaktor für eine schlechtere Mundgesundheit. In der vorliegenden Untersuchung blieb die Assoziation zwischen Migrationsgeschichte und mundgesundheitsbezogenen Merkmalen jedoch auch nach Kontrolle der Bildungsgruppen signifikant. Dies unterstreicht die Relevanz der Migrationsgeschichte als eigenständiger Einflussfaktor für die Mundgesundheit. Die DMS • 6 ist die erste groß angelegte Kohortenstudie in Deutschland, die diesen Zusammenhang über verschiedene Altersgruppen hinweg untersucht. Zukünftige Forschung sollte migrationsbezogene Einflussfaktoren, Gesundheitskompetenz und Gesundheitsverhalten vertieft analysieren, um die beobachteten Unterschiede besser erklären und gezielte Maßnahmen zur Förderung der Mundgesundheit bei Menschen mit Migrationsgeschichte entwickeln zu können.

Take-Home Message: Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland scheinen nicht im gleichen Maße von Präventionsprogrammen zu profitieren, da sie oft weniger Zugang zu kultursensiblen Informationen und Gesundheitsangeboten haben und zu dem spezifische Zugangsbarrieren bestehen. Es ist wichtig, die Hintergründe dieser Unterschiede zu erforschen und kultursensible Ansätze zu entwickeln, mehrsprachige Aufklärung anzubieten und gezielt auf die spezifischen Bedürfnisse dieser Bevölkerungsgruppe einzugehen. So kann der gleichberechtigte Zugang zur Prävention verbessert und gesundheitliche Chancengleichheit in der Mundgesundheit gefördert werden.

Interessenkonflikte: Keine