Logo

Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Arbeitsstress, moderierende Faktoren und niedriggradige Entzündungen: Ergebnisse aus der NAKO-Gesundheitsstudie

Simon Götz - Düsseldorf University Hospital, Institute of Medical Sociology, Düsseldorf, Deutschland
Brad Wright - La Trobe University, School of Psychology and Public Health, Australien
Alina Sprenger-Vukovic - Düsseldorf University Hospital, Institute of Medical Sociology, Düsseldorf, Deutschland
Johannes Siegrist - Düsseldorf University Hospital, Institute of Medical Sociology, Düsseldorf, Deutschland
Nico Dragano - Düsseldorf University Hospital, Institute of Medical Sociology, Düsseldorf, Deutschland

Text

Inhalt: Arbeitsstress gilt als Risikofaktor für zahlreiche gesundheitliche Probleme, insbesondere kardiovaskuläre Erkrankungen und Depressionen. Niedriggradige Entzündung (low-grade inflammation, LGI), gemessen über CRP (C-reaktives Protein) im Blut, gelten als etablierter Biomarker pathophysiologischer Prozesse und als potenzieller Vermittlungsfaktor im Zusammenhang zwischen psychosozialem Arbeitsstress und diesen Erkrankungen. Vor diesem Hintergrund ist zu klären, ob chronischer psychosozialer Arbeitsstress mit LGI assoziiert ist. Zudem wird – auch zur Identifikation von Risikogruppen und möglichen Präventionsansätzen – die moderierende Rolle soziodemografischer Merkmale sowie potenzieller Schutzfaktoren untersucht. Grundlage ist die NAKO Gesundheitsstudie, eine große epidemiologische Kohortenstudie in Deutschland.

Analysiert wurden Daten der Baseline Erhebung von 64.194 erwerbstätigen Frauen und Männern. Arbeitsstress wurde über die extrinsischen Skalen des Modells beruflicher Gratifikationskrisen (Effort-Reward Imbalance, ERI) erfasst; LGI wurde definiert als hs-CRP > 3,0 mg/L (und < 10,0 mg/L). Zur Schätzung der Prävalenz Ratios (PR) für LGI in Abhängigkeit vom ERI wurden multivariable Poisson-Regressionen, getrennt nach Geschlecht, eingesetzt. Die Modelle wurden für Alter und Gesundheitsstatus adjustiert. Zusätzlich wurden Interaktionen mit soziodemografischen Merkmalen (Bildung, Beruf, Einkommen) sowie potenziellen Schutzfaktoren (körperliche Aktivität, soziale und emotionale Unterstützung) untersucht.

In den adjustierten Modellen ist höherer Arbeitsstress mit einer erhöhten PR für LGI assoziiert (Männer: 1,12 [95%-KI: 1,04–1,21]; Frauen: 1,11 [95%-KI: 1,04–1,19]). Es fanden sich nur wenige signifikante Interaktionen. Körperliche Aktivität und soziale Unterstützung zeigen jedoch deutliche protektive Haupteffekte.

Die Befunde weisen auf moderate Zusammenhänge zwischen Arbeitsstress und niedriggradiger Entzündungen in einer großen Erwerbstätigenkohorte in Deutschland hin. Prospektive Studien sind notwendig, um die Kausalität zu klären.

Höherer Arbeitsstress ist moderat, aber signifikant mit LGI assoziiert; die zur Identifikation von Risikogruppen und Präventionsansätzen untersuchten moderierenden Effekte soziodemografischer Merkmale und Schutzfaktoren spielen jedoch kaum eine Rolle. Körperliche Aktivität sowie emotionale und soziale Unterstützung zeigen hingegen klare protektive Haupteffekte.

Interessenkonflikte: Keine