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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Diskriminierungsfreie Arbeitsplätze? Testgüte eines Einzelitems und sein Zusammenhang mit psychosozialen Belastungsfaktoren

Nils Ellebrecht - FFAW: Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften GmbH, Freiburg, Deutschland
Alexandra Kleine-Albers - FFAW: Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften GmbH, Freiburg, Deutschland
Matthias Nübling - FFAW: Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften GmbH, Freiburg, Deutschland
Inga Nolle - FFAW: Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften GmbH, Freiburg, Deutschland
Hans-Joachim Lincke - FFAW: Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften GmbH, Freiburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Diskriminierung am Arbeitsplatz stellt eine bedeutende psychosoziale Belastung dar und wird zunehmend als Risikofaktor für gesundheitliche Beeinträchtigungen und verminderte Arbeitszufriedenheit erkannt. Daher besteht der Bedarf, Diskriminierungserleben systematisch in bestehende Modelle psychosozialer Arbeitsbelastung zu integrieren. Die Erhebung erlebter Diskriminierung im Rahmen etablierter Befragungsinstrumente wie dem Copenhagen Psychosocial Questionnaire (COPSOQ) bietet sich an, muss aber testökonomisch sein. Damit in der Praxis die Diskriminierung am Arbeitsplatz regelmäßig erfragt wird, muss die Erhebung auf einen Indikator stark begrenzt sein.

Zielsetzung/Fragestellung: Die Studie stellt die Testgüte eines generischen Items zur Messung eines diskriminierungsfreien Arbeitsplatzes vor. In einem zweiten Schritt wird untersucht, in welchem Zusammenhang erlebte Diskriminierung am Arbeitsplatz mit verschiedenen psychosozialen Belastungsdimensionen steht.

Material & Methoden: Die Untersuchung basiert auf einem Datensatz mit n = 3.400 Erwerbstätigen aus verschiedenen Branchen. Die Erhebung erfolgte mittels standardisierter Befragung. Zum Einsatz kam der COPSOQ III zur Erfassung psychosozialer Belastungen und Belastungsfolgen und ein Item zur Erfassung erlebter Diskriminierung.

Die Auswertung umfasst die Stichprobenbeschreibung und einfache Zusammenhangsmaße zwischen Diskriminierung, soziodemographischen Merkmalen und 31 COPSOQ-Skalen.

Ergebnisse: Das Item zeigt für die Abwesenheit von Diskriminierung einen hohen Mittelwert und Linksschiefe bei gleichzeitig ausreichender Streuung. Moderate Zusammenhänge (r ≥ 0,2) zeigen v.a. die Skalen des Themenbereichs „Soziale Beziehungen und Führung“. „Arbeitszufriedenheit“ (r = 0,33) korreliert am deutlichsten positiv. Personen, die für ihr Geschlecht „divers“ angegeben haben, nehmen mehr Diskriminierung wahr. Berufsbezogene Differenzierungen deuten darauf hin, dass Angestellte ihren Arbeitsplatz als diskriminierungsärmer erleben als Arbeiter:innen.

Diskussion: Trotz der Beschränkung auf ein einzelnes Item erweist sich die Messung aufgrund ihrer hohen Standardabweichung als robustes Maß zur Erfassung unterschiedlichen Diskriminierungserlebens am Arbeitsplatz. Die konvergente Validität des Items ergibt sich aus plausiblen Zusammenhängen mit psychosozialen Belastungsdimensionen aus dem Bereich „Soziale Beziehungen" und „Arbeitszufriedenheit".

Take Home Message für die Praxis: Diskriminierungserleben kann im ersten Schritt robust durch ein Indikator-Item im Rahmen der psychischen Gefährdungsbeurteilung erhoben werden.

Interessenkonflikte: Keine