Logo

Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Erwerbslosigkeit als soziale Determinante von Gesundheit: eine realistische Synthese internationaler Metaanalysen

Alfons Hollederer - Universität Kassel, Fachbereich Humanwissenschaften, Kassel, Deutschland

Text

Hintergrund: Erwerbslosigkeit stellt nach wie vor eine große Public Health-Herausforderung dar und das Problem ist bis heute ungelöst. Die Gesundheit von Erwerbslosen ist im Durchschnitt schlechter als die der Erwerbstätigen. Die Forschung entwickelte sich hierzu phasenweise, aber heterogen.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel der realistischen Synthese ist die Forschungsintegration sowie die Exploration für Politik und Praxis. Am aktuellen Rand nimmt die Zahl der internationalen Metaanalysen zu. Sie generieren neue Erkenntnisgewinne in einer beachtlichen Themenbreite, führen aber auch zu neuen Unübersichtlichkeiten.

Es wurde eine Literaturrecherche in den Datenbanken MEDLINE, PsycINFO, WoS und Health Evidence durchgeführt. In die realistische Synthese wurden 10 systematische Reviews mit quantitativer Metaanalyse eingeschlossen, davon 7 zu Assoziationen von Erwerbslosigkeit und Gesundheit sowie 3 zur Gesundheitsförderung. Eine Qualitätsbewertung der Metaanalysen erfolgte mittels der AMSTAR II-Checklist. Die realistische Synthese orientiert sich an der RAMESES-Checklist.

Diskussionspunkt: Kausalität und Selektion schließen sich nicht aus und ein „Circulus vitiosus“ von Erwerbslosigkeit und Gesundheit deutet sich aufgrund der Wechselbeziehungen an. Gesundheitsförderung kann zur Abmilderung beitragen.

Inhalt: Die internationalen Metaanalysen stimmen auf Basis von Quer- und Längsschnitterhebungen weitgehend überein, dass der Eintritt in Erwerbslosigkeit mit einer Zunahme von psychischen Symptomen und die Wiederbeschäftigung mit Verbesserungen der psychischen Gesundheit verbunden sind. Je länger die Menschen erwerbslos waren, desto stärker waren im Durchschnitt die negativen Effekte auf die psychische Gesundheit. Die Gesamtschau der Metaanalysen deutet darauf hin, dass die frühen Metaanalysen wegen niedriger Qualität oder kleiner Studienzahl die Effektgrößen statistisch überschätzt haben könnten.

Die Moderationsanalysen ergeben, dass Männer in Erwerbslosigkeit stärker als Frauen leiden. Die weiteren Moderationsanalysen stehen nur teilweise im Einklang.

Für die Gesundheitsförderung wurden sowohl Gesundheits- als auch Arbeitsmarkteffekte bei Erwerbslosen belegt.

Take Home Message für die Praxis: Die internationalen Metaanalysen decken die Studienlage einer ganzen Epoche ab. Sie sind in den Kernaussagen kongruent, dass sich zum einen die psychische Gesundheit bei Arbeitsplatzverlust signifikant verschlechtert und zum anderen nach Wiederbeschäftigung verbessert.

Interessenkonflikte: Keine