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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Long-/Post-COVID: Prädiktoren eines erfolgreichen Aktivitätsmanagements bei Post-COVID-bedingter Fatigue

Franziska Käser - Health Innovation University, Deutschland
Regine Mößle - DHBW Villingen-Schwenningen, Villingen-Schwenningen, Deutschland
Silke Brenne - Health Innovation University, Deutschland

Text

Hintergrund: Die Zahl der SARS-CoV-2-Infektionen in Deutschland wird auf bis zu 197 Millionen geschätzt, etwa 6% entwickeln Long-COVID (Paessler et al., 2025). Das Leitsymptom Fatigue führt zu erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität. Die Evidenz zu wirksamen Behandlungsansätzen ist bislang begrenzt. Ein zentraler Therapieansatz ist das Aktivitätsmanagement (Pacing), dessen Umsetzung viele Betroffene jedoch vor Herausforderungen stellt. Gleichzeitig fehlt ein standardisiertes Instrument zur Erfassung von Pacing, was Forschung und klinische Anwendung erschwert.

Zielsetzung/Fragestellung: Untersuchung des Einflusses von Selbstwirksamkeit, Krankheitsakzeptanz und Zielanpassung auf das Pacing-Verhalten sowie Entwicklung eines geeigneten Messinstruments.

Material & Methoden: Es wurden eine Sekundäranalyse (N=104) sowie eine zweite Datenerhebung (N=116) mit neu entwickeltem Fragebogen durchgeführt. Psychologische Variablen wurden mittels standardisierter Instrumente erfasst, Korrelationen wurden nach Spearman berechnet. Die Güte wurde anhand von Cronbachs Alpha und Faktorenanalyse geprüft. Die Stichprobe bestand aus Rehabilitationspatient:innen und Mitgliedern von Selbsthilfegruppen. Alle Teilnehmenden hatten ein positives Screening auf Belastungsintoleranz und Fatigue.

Ergebnisse: Der neu entwickelte Fragebogen zeigte eine gute interne Konsistenz (α=.82) und erwies sich als für Faktorenanalysen geeignet (KMO=0,82; p<.001), wobei eine dreifaktorielle Struktur mit 57,56% Varianzaufklärung identifiziert wurde. Selbstwirksamkeit korrelierte in beiden Studien signifikant positiv mit Pacing (rs=.35, p=.003; rs=.20, p=.04). Krankheitsakzeptanz war nur in Studie 1 signifikant (rs=.22, p=.03). Zielflexibilität zeigte ausschließlich in Studie 2 einen signifikanten Zusammenhang (rs=.44, p<.001), während Zielpersistenz keinen Zusammenhang aufwies.

Diskussion: Selbstwirksamkeit und Zielflexibilität erwiesen sich als zentrale Faktoren für die Umsetzung von Pacing. Die Rolle der Krankheitsakzeptanz kann durch die Datenbasis nicht eindeutig geklärt werden, wenngleich sich ein positiver Trend zeigt. Der Fragebogen sollte weiter validiert werden und könnte zu einer objektiven und effizienten Erfassung des Pacing-Verhaltens beitragen.

Take Home Message für die Praxis: Hausärztlich sollte neben Pacing insbesondere die Selbstwirksamkeit gestärkt und ein flexibler Umgang mit Alltagszielen gefördert werden. Der Fragebogen könnte unterstützend eingesetzt werden, um individuelle Umsetzungsbarrieren frühzeitig zu identifizieren.

Interessenkonflikte: Keine