- Conferences Overview
- Gesundheit gestalten
- Internationale Medizinische Fachangestellte in der hausärztlichen Versorgung: Potenziale, Barrieren und Unterstützungsbedarfe aus Sicht der Praxen
Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Internationale Medizinische Fachangestellte in der hausärztlichen Versorgung: Potenziale, Barrieren und Unterstützungsbedarfe aus Sicht der Praxen
Text
Hintergrund: Der zunehmende Fachkräftemangel im deutschen Gesundheitswesen betrifft auch die ambulante Versorgung, insbesondere den Beruf der Medizinischen Fachangestellten (MFA). Internationale Rekrutierung wird politisch als Strategie zur Entlastung des Arbeitsmarktes diskutiert, jedoch existieren bislang nur begrenzte Erkenntnisse zur Integration internationaler MFA (IMFA) im hausärztlichen Setting.
Zielsetzung/Fragestellung: Ziel dieser Studie war es, Erfahrungen, Wahrnehmungen, Barrieren und Unterstützungsbedarfe von Hausärzt:innen (HÄ) in Bezug auf die Beschäftigung von MFA/IMFA zu untersuchen.
Material & Methoden: Mit einer bundesweiten Querschnittsstudie wurde zwischen 10–12/2025 eine standardisierte Online-Befragung unter HÄ durchgeführt. Der Fragebogen erfasste Praxismerkmale, Erfahrungen mit MFA/IMFA, Rekrutierungsschwierigkeiten sowie wahrgenommene Barrieren, Vorteile und Unterstützungsbedarfe bei der Einstellung von IMFA.
Ergebnisse: Es haben 324 Praxen teilgenommen. Davon berichteten 54% über Schwierigkeiten bei der Besetzung von MFA-Stellen, primär aufgrund eines Mangels an Bewerber:innen. Nur 10,5% der Praxen beschäftigen derzeit IMFA. Insgesamt haben 20,1% der Praxen vergangene oder gegenwärtige Erfahrung mit IMFA oder IMFA-Auszubildenden. Als Barrieren werden Sprachprobleme, fehlende Informationen und Mangel an Unterstützung durch Behörden genannt. Praxen ohne IMFA-Erfahrung schätzten diese Hürden signifikant stärker ein als erfahrene Praxen. Unterstützungsbedarf besteht vor allem bei Sprachförderung, Informationen zu Anerkennungsverfahren und finanzieller Unterstützung beim Onboarding. Ost- und Westdeutschland unterschieden sich hinsichtlich Beschäftigungsanteilen, Rekrutierungsschwierigkeiten und wahrgenommenen Barrieren.
Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass IMFA ein bislang wenig genutztes Potenzial zur Fachkräftesicherung in der ambulanten Versorgung darstellen. Gleichzeitig bestehen strukturelle und wahrgenommene Hürden, die durch gezielte Unterstützungs- und Integrationsmaßnahmen adressiert werden sollten. Da Praxen mit weniger IMF- Erfahrungen häufiger Barrieren und Hürden bei der Einstellung erwähnten, können Informationsdefizite oder antizipierte Schwierigkeiten seitens der Praxen angenommen werden.
Take Home Message für die Praxis: Praxisnahe Erfahrungsräume und gezielte Informations- und Hilfsangebote können dazu beitragen, bestehende Vorbehalte zu reduzieren und Praxen bei der Einstellung oder Ausbildung von zukünftigen IMFA in hausärztlichen Settings zu unterstützen. Dies wäre ein Schritt zur nachhaltigen Begegnung des Fachkräftemangels.
Interessenkonflikte: Die Autor:innen haben keine Interessenskonflikte.



