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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Wer vertraut, ist weniger belastet? Psychische Belastung und Vertrauen in die Gesundheitsversorgung im Ländervergleich

Juliane Heise - Technische Universität Chemnitz, Institut für Soziologie mit Schwerpunkt Gesundheitsforschung, Chemnitz, Deutschland

Text

Hintergrund: Psychische Belastung ist nicht nur Ausdruck individueller Belastungserfahrungen, sondern wird auch durch soziale und institutionelle Rahmenbedingungen geprägt. Insbesondere Vertrauen in Ärzt:innen, die wahrgenommene Fairness des Gesundheitssystems und Einschätzungen ungleicher Zugänge zur Versorgung können beeinflussen, wie Menschen mit gesundheitlicher Unsicherheit umgehen.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel der Studie ist es, den Zusammenhang zwischen Vertrauen in Ärztinnen und Ärzte, wahrgenommener Fairness, Zugangsungleichheiten in der Gesundheitsversorgung und psychischer Belastung im internationalen Vergleich unter Berücksichtigung von Makrokontexten zu untersuchen.

Material & Methoden: Analysiert wurden Daten des ISSP 2021 Moduls zu Gesundheit und Gesundheitsversorgung (N = 35.372; 29 Länder). Es wurde ein Mehrebenenmodell in Form einer logistischen Regression geschätzt. Zu den Indikatoren auf Länderebene gehörten Einkommensungleichheit, Bruttoinlandsprodukt pro Kopf sowie das durchschnittliche Vertrauen in das Gesundheitssystem.

Ergebnisse: Im Vergleich zu einer neutralen Haltung war Vertrauen in Ärztinnen und Ärzte mit geringeren Chancen auf psychische Belastung verbunden (OR = 0,77; 95%-KI 0,72–0,82), während Misstrauen mit höheren Chancen einherging (OR = 1,15; 95%-KI 1,04–1,27). Ausgeprägte Wahrnehmungen von Ungerechtigkeit im Gesundheitssystem standen ebenfalls mit erhöhter psychischer Belastung in Zusammenhang. Dies zeigte sich in höheren Chancen bei Personen, die das System als sehr unfair bewerteten (OR = 1,20), sowie bei jenen, die den Zugang zur Versorgung für ärmere Menschen als schwieriger einschätzten (OR = 1,60). Auf Länderebene waren sowohl höhere Einkommensungleichheit (OR = 1,28; 95%-KI 1,09–1,50) als auch ein höheres Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (OR = 1,33; 95%-KI 1,11–1,58) mit stärkerer psychischer Belastung assoziiert, während das durchschnittliche Vertrauen in das Gesundheitssystem nicht signifikant mit psychischer Belastung zusammenhing.

Diskussion: Insgesamt verdeutlichen die Befunde, dass psychische Belastung eng sowohl mit institutionellen Wahrnehmungen auf individueller Ebene als auch mit breiteren gesellschaftlichen Ungleichheiten verknüpft ist. Dabei erweist sich insbesondere das Vertrauen in Ärztinnen und Ärzte als eine besonders bedeutsame psychosoziale Ressource.

Take Home Message für die Praxis: Psychische Belastung ist auch eine Frage institutionellen Vertrauens. Wer Gesundheitsversorgung als fair und verlässlich erlebt, ist tendenziell psychisch weniger belastet.

Interessenkonflikte: Keine