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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Einfluss von Gesundheitsuntersuchungen auf Diagnosen und Outcomes: eine retrospektive Kohortenstudie in Deutschland

Christoph Strumann - Universität zu Lübeck, Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Deutschland
Johannes Rieken - Universität zu Lübeck, Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Deutschland
Wolfgang C. G. von Meißner - Hausärzte am Spritzenhaus, Deutschland; CBS, Deutschland; Universität zu Lübeck, Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Deutschland
Paul-Georg Blickle - Hausärzte am Spritzenhaus, Deutschland; Universität zu Lübeck, Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Deutschland
Jost Steinhäuser - Universität zu Lübeck, Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Deutschland

Text

Hintergrund: Obwohl Untersuchungen von asymptomatischen Erwachsenen häufig als Versorgung mit geringem Nutzen („low-value care“) gesehen werden, haben über 35-jährige Versicherte in Deutschland alle drei Jahre Anspruch auf eine Gesundheitsuntersuchung im Rahmen der hausärztlichen Versorgung.

Zielsetzung/Fragestellung: Diese Studie untersucht, in wie fern die Teilnahme an Gesundheitsuntersuchungen zu mehr Diagnosen unter asymptomatischen Individuen im Vergleich zu solchen, die diese nicht wahrnehmen, führt und ob klinisch relevante Ereignisse dadurch beeinflusst werden.

Material & Methoden: Die retrospektive Kohortenstudie untersuchte Routinedaten aus den Jahren 2001 bis 2025. Die Daten stammen aus 17 hausärztlichen Praxen, die einem supraregionalen Versorgungsnetzwerk (Supraregional Health Service Research Network SHRN) angehören. Eine Survivalanalyse vergleicht PatientInnen, die eine Gesundheitsuntersuchung wahrgenommen haben, mit solchen, die dies nicht haben. Unter Berücksichtigung der vergangenen Zeit nach der letzten Gesundheitsuntersuchung wurde die altersabhängige Wahrscheinlichkeit (Hazard-Ratio) neu diagnostizierter Krankheiten, nämlich arterieller Hypertonus, Hyperlipidämie und Diabetes Mellitus Typ II, sowie das Risiko klinisch relevanter Ereignisse, berechnet.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 133.537 PatientInnen mit 1.510.753 Konsultationen analysiert, von denen 27.621 Gesundheitsuntersuchungen wahrgenommen haben. Geschätzte Hazard Ratios deuten darauf hin, dass PatientInnen, die Gesundheitsuntersuchungen wahrnahmen, innerhalb eines Jahres nach der Untersuchung eine 13-fach erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine neue Diagnose einer der definierten Erkrankungen haben. Die Teilnahme an Gesundheitsuntersuchung war nicht mit einer Reduktion klinisch relevanter Ereignisse assoziiert.

Diskussion: Gesundheitsuntersuchungen erhöhen die Diagnosehäufigkeit bislang unerkannter Erkrankungen. Ihr Einfluss auf die Vermeidung klinisch relevanter Ereignisse bleibt jedoch unklar. Weitere Studien sind erforderlich, um den klinischen Nutzen dieser Untersuchungen besser einordnen zu können.

Take Home Message für die Praxis: Gesundheitsuntersuchungen führen zu mehr Diagnosen, ihr tatsächlicher Nutzen für klinisch relevante Outcomes ist jedoch bisher nicht belegt.

Interessenkonflikte: Keine