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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Zeitreihenanalyse von Patientenkontakten mittels Interkontaktintervallen

Johannes Hauswaldt - Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland
Wolfgang Himmel - Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland
Eva Hummers - Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland

Text

Hintergrund: Häufige Patientenkontakte zur Hausarztpraxis gelten – aus unterschiedlichen Perspektiven – als stabile Patienteneigenschaft (sog. „Häufignutzer“) oder als Krisensignal (neue Erkrankung; Exazerbation; Krankheitsprogression etc.).

Zielsetzung/Fragestellung: Lassen sich aus den Besuchsintervallen von Patienten dauerhafte Nutzungsprofile bzw. neue Perioden akuten Betreuungsbedarfs erkennen?

Material & Methoden: Basis: ein Datensatz des RADARplus Projekts, Kontakte von 585 Patienten aus 11 Hausarztpraxen, 2017–2022. Jeder Kalendertag mit PVS-Eintrag für einen Patienten ist definiert als „Kontakt“, einschließlich indirekter Kommunikation (z.B. Telefon) oder administrativer Einträge (z.B. Bericht- oder Labordaten). „Interkontaktintervall“ (ICI) ist der Zeitabstand in Tagen zwischen zwei aufeinanderfolgenden Kontakten. Ein ICI von weniger als 8 Tagen gilt als „Häufignutzung“; ein derartiges ICI, wenn kleiner als sein Vorgänger und Nachfolger, definiert ein temporales ICI-Minimum. Für Patienten mit mindestens 20 ICI werden patientenbezogen Cluster von Häufignutzung und temporaler ICI-Minima mittels ordinaler Zeitreihenanalyse (OTSA) ermittelt und grafisch visualisiert. OTSA von ICI Reihen erlaubt, Permutationsentropie (m=3) individuell zu berechnen.

Ergebnisse: Fast 92% (537/585) der Patienten hatten je mindestens 21 Praxiskontakte, insgesamt N = 59.292. Fast jeder 2. Kontakt fand in einem Abstand von weniger als eine Woche zum vorherigen statt, also mit einem ICI < 8 Tage; der relative Anteil dieser ICIs variierte je Patient zwischen 17% und 88%. Jeder 4. Kontakt fand nach einem kürzeren zeitlichen Intervall statt als seine unmittelbaren Nachbarkontakte. Es ließen sich Cluster (Phasen) von Häufignutzung und von temporalen Minima bestimmen, deutlich von bisherigen oder nachfolgenden Praxiskontakten eines Patienten unterscheidbar. Weitere Ergebnisse, besonders ihre grafische Darstellung, während der Konferenz.

Diskussion: Interkontaktintervalle sind ein neues Maß für Praxiskontakte, die im Zeitverlauf Häufignutzung und Kontaktintensivierung („temporale ICI Minima“) individuell erkennen lassen und im Falle der Verdichtung – bei geeigneter grafischer Unterstützung – für Perioden akuter Betreuung, eingebettet in die chronische Versorgung, sensibilisieren können.

Take Home Message für die Praxis: Ordinale Zeitreihenanalysen von Interkontaktintervalle können für detaillierte Untersuchungen zur chronischen Versorgung eines Patienten sowie eingebetteter Episoden akuter Betreuung für die allgemeinmedizinische Forschung und die hausärztliche Betreuung von Patienten genützt werden.

Interessenkonflikte: Keine