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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Post-Exertional Malaise bei Post-COVID-Syndrom und rheumatischen Erkrankungen: eine qualitative Analyse von Auslösern, Beschwerden und Verläufen
Text
Hintergrund: Post-Exertional Malaise (PEM) bezeichnet eine unverhältnismäßig starke belastungsabhängige Symptomverschlechterung, die bei ME/CFS, aber auch dem Post-COVID-Syndrom (PCS) sowie rheumatischen Erkrankungen auftritt. Schwere PEM-Episoden mit erheblicher Einschränkung der Lebensqualität werden von Betroffenen als Crash bezeichnet. Trotz hoher klinischer Relevanz ist PEM bislang unzureichend erforscht, insbesondere bei rheumatischen Erkrankungen.
Zielsetzung/Fragestellung: Untersucht wurde, wie Betroffene von PCS und rheumatischen Erkrankungen Auslöser, Beschwerden und Verläufe von PEM erleben und welche krankheitsspezifischen Unterschiede erkennbar sind.
Material & Methoden: Im Rahmen der U-WaTCH Studie wurden zwischen März und Juni 2025 14 leitfadengestützte Interviews mit Betroffenen von PCS (n=8) und rheumatischen Erkrankungen (n=6) zur Exploration des Forschungsfeldes durchgeführt. Die Transkripte wurden inhaltsanalytisch nach Kuckartz ausgewertet.
Ergebnisse: Betroffene berichteten, dass Crashs durch körperliche (z. B. Einkaufen, Sport), kognitive (z. B. Konzentrieren, Lesen), positive sowie negative emotionale Belastungen, soziale Aktivitäten (z. B. Theaterbesuch), sensorische Reize (z. B. Lärm), aber auch Temperaturveränderungen und Abweichungen vom Biorhythmus ausgelöst werden. Die Beschwerden umfassen körperliche (u. a. starke Erschöpfung, Muskelschmerzen), neuro-kognitive (u. a. Brain-Fog, Konzentrationsstörungen) sowie psychische Beeinträchtigungen (u. a. Hilflosigkeit). Crashs verlaufen phasenhaft: Nach zeitlicher Verzögerung zur Belastung, folgen Symptomverstärkung, starker Energieabfall und Beschwerdeexazerbation, bevor eine längere Regenerationsphase einsetzt. Die Dauer beträgt Stunden bis Tage, wobei rheumatisch Erkrankte in allen Phasen kürzere Zeitspannen berichteten. Bewältigungsstrategien variieren: PCS-Betroffene nannten ausschließlich passive Strategien (z. B. Ausruhen), während die Rheuma-Gruppe auch aktivierende Maßnahmen (z. B. Spaziergänge) beschrieb.
Diskussion: Die Ergebnisse zeigen eine Heterogenität von PEM mit erkrankungsspezifischen Unterschieden in Beschwerdevielfalt und zeitlichen Verläufen, die auf unterschiedliche zugrundeliegende Krankheitsmechanismen hinweisen könnten. Rheumatische Erkrankungen wurden in diesem Kontext erstmals untersucht.
Take Home Message für die Praxis: PEM-Crashs bei PCS und rheumatischen Erkrankungen werden durch multifaktorielle Reize ausgelöst und zeigen heterogene, erkrankungs- und individuumsspezifische Beschwerde- und Verlaufsmuster, was eine hohe Relevanz für die klinische Praxis aufweist.
Interessenkonflikte: Keine



