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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Palliativversorgung am Lebensende: Inanspruchnahme, Ergebnisqualität und regionale Unterschiede
Text
Hintergrund: Der leistungsrechtliche Rahmen der Palliativversorgung (PV) wurde mit der Einführung struktureller, leistungsrechtlicher und koordinativer Verbesserungen durch das Hospiz- und Palliativgesetz im Jahr 2015 deutlich erweitert. Ziel war es, eine bedarfsgerechte und ganzheitliche Versorgung in Abhängigkeit von der Komplexität der Erkrankung zu gewährleisten. Dabei soll insbesondere eine Versorgung ermöglicht werden, die Patientenpräferenzen berücksichtigt, ein Sterben in vertrauter Umgebung unterstützt sowie unnötige Krankenhausaufenthalte und nicht gewollte lebensverlängernde Maßnahmen vermeidet.
Zielsetzung/Fragestellung: Der Beitrag soll Aufschluss darüber geben, wie die komplexen palliativen Strukturen am Lebensende in Anspruch genommen werden. Ferner untersucht er die patientenrelevante Ergebnisqualität der PV.
Material & Methoden: Die Analyse der Versorgungssituation basiert auf GKV-Routinedaten der AOK Nordost für die Bundesländer Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Zur Bewertung der Inanspruchnahme von PV wurden in einer retrospektiven Kohortenstudie all jene betrachtet, die im Jahr 2024 verstorben sind.
Ergebnisse: Die Analysen basieren auf Daten von 35.008 Versicherten. Im Durchschnitt waren die Versicherten 81,6 Jahre alt und 53,0% waren weiblich. Insgesamt hat mehr als ein Drittel (36,8%) der Verstorbenen eine PV in Anspruch genommen. 20,6% wurden durch ein SAPV-Team versorgt, 17,7% mittels AAPV, 5,6% mittels BQKPmV und 8,3% der Verstorbenen haben eine stationäre PV in Anspruch genommen. In Brandenburg ist aufgrund der Angebotsstruktur die Inanspruchnahme von SAPV wesentlich höher (25,0%), die der AAPV hingegen deutlich geringer (14,0%). Regionale Unterschiede zeigt auch der patientenrelevante Indikator „Versterben im Krankenhaus“. Unter jenen mit einer PV ist in Brandenburg jeder Fünfte im Krankenhaus verstorben; in Berlin hingegen 30,2%.
Diskussion: Die palliative Versorgung wurde mit dem Hospiz- und Palliativgesetz maßgeblich weiterentwickelt und der Zugang verbessert. Ergebnisse verdeutlichen jedoch, dass trotz strukturellem Ausbau weiterhin Herausforderungen in der PV bestehen. Zudem zeigt sich eine Diskrepanz zwischen Patientenpräferenzen und der tatsächlichen Versorgung am Lebensende mit signifikanten regionalen Unterschieden.
Take Home Message für die Praxis: Der Versorgungsbedarf und die tatsächliche Inanspruchnahme regional heterogenen Versorgungstrukturen weisen auf systemische Herausforderungen hin, die insbesondere durch eine bessere Zusammenarbeit zwischen ambulanten und stationären Akteuren adressiert werden muss.
Interessenkonflikte: Die Autorin:innen erklären, dass keine Interessenkonflikte bestehen.



