Logo

Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

S1-Leitlinie Kopfschmerzen in der Schwangerschaft: evidenzbasierte Beratung für Patientinnen mit Migräne bei Kinderwunsch und Schwangerschaft

Lukas Becker - Universität Duisburg-Essen, Institut für Allgemeinmedizin, Essen, Deutschland
Gudrun Goßrau-Solimena - Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Interdisziplinäres Universitätsschmerzzentrum, Deutschland
Marlies Onken - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für klinische Pharmakologie und Toxikologie, Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Berlin, Deutschland
Wolfgang Paulus - Universitätsklinikum Ulm, Beratungsstelle für Reproduktionstoxikologie, Ulm, Deutschland
Sabine Gehrke-Beck - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Instituts für Allgemeinmedizin, Berlin, Deutschland

Text

Hintergrund: Migräne ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen bei Frauen im gebärfähigen Alter. Auch in der Schwangerschaft sollen effektive Therapien angeboten, dabei allerdings die Sicherheit des ungeborenen Kindes mitbedacht werden.

Zielsetzung/Fragestellung: Die S1-Leitlinie Kopfschmerzen in der Schwangerschaft wird unter Leitung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft interdisziplinär, auch durch Mitarbeit der DEGAM entwickelt. Damit sollen fachübergreifend evidenzbasierte Empfehlungen zur Behandlung und Beratung entstehen.

Material & Methoden: Erstellung einer S1-Leitlinie mit einer interdisziplinären Leitliniengruppe. Für Therapien in der Schwangerschaft liegen meist keine randomisierten, kontrollierten Studien vor, die Empfehlungen beruhen auf Beobachtungsstudien, z.B. auf der Basis von Registerdaten, und pathophysiologischen Überlegungen, die in der interdisziplinären Expert:innengruppe diskutiert wurden.

Ergebnisse: Im 2. und 3. Trimenon der Schwangerschaft bessert sich eine Migräne häufig deutlich, kehrt aber nach der Geburt zurück. Da Schwangerschaften nicht selten ungeplant entstehen, sollten alle Patientinnen im gebärfähigen Alter informiert werden, wenn die von ihnen eingenommene Medikation vor Eintreten oder bei Feststellung der Schwangerschaft abgesetzt werden muss. Die medikamentöse Akuttherapie bei Patientinnen mit Migräne und Kinderwunsch sollte bevorzugt NSAR (bis zum 2. Trimenon) oder Sumatriptan umfassen. Zur medikamentösen Migräneprophylaxe bei Patientinnen mit Kinderwunsch sollten bevorzugt Metoprolol oder Propranolol eingesetzt werden.

Zur Behandlung von Migräneattacken kann bis zur 20. Schwangerschaftswoche Ibuprofen eingesetzt werden, Sumatriptan während der gesamten Schwangerschaft. In Fällen, in denen diese Medikamente nicht wirksam sind, können, abhängig vom Schwangerschaftszeitpunkt, auch einzelne Dosen andere Medikamente genutzt werden. Entscheidungen dazu sollten gemeinsam mit der Patientin getroffen werden.

Diskussion: Für die meisten Patientinnen im hausärztlichen Setting können klare Therapieempfehlungen gegeben werden. Bei der Beratung sollten unnötige Verunsicherung vermieden, aber mögliche Risiken benannt werden.

Take Home Message für die Praxis: Alle Patientinnen im gebärfähigen Alter sollten zur medikamentösen Therapie der Migräne bei Kinderwunsch und Schwangerschaft beraten werden. Eine effektive Therapie soll auch während der Schwangerschaft angeboten werden.

Interessenkonflikt: Alle Autor:innen sind an der Leitlinie Kopfschmerzen in der Schwangerschaft beteiligt.

Sabine Gehrke-Beck: Fortbildungshonorare IhF, Kompetenzzentrum Weiterbildung Berlin

Gudrun Goßrau: Mitarbeit in einem Wissenschaftlichen Beirat (advisory board): Novartis, Lilly, Teva, Bezahlte Vortrags-/oder Schulungstätigkeit: Novartis, Lilly, Teva, Sächsische Landesärztekammer Forschungsvorhaben/ Durchführung klinischer Studien: Novartis

Lukas Becker: keine

Wolfgang Paulus: Vortragshonorare Exeltis, ITF Pharma, Lundbeck, Novartis

Marlies Onken: keine