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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Gewaltförmiges Verhalten im Jugendalter: Zeitvergleich, Muster und gesundheitliche Zusammenhänge auf Basis der HBSC-Studie Sachsen-Anhalt

Kristina Winter - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Medizinische Soziologie, Deutschland
Marie Böhm - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Medizinische Soziologie, Deutschland
Anna Schneider - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Medizinische Soziologie, Deutschland
Irene Moor - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Medizinische Soziologie, Deutschland

Text

Hintergrund: Gewalt im Jugendalter stellt ein relevantes, im medizinsoziologischen Diskurs jedoch bislang unzureichend berücksichtigtes Phänomen dar. Da Viktimisierung nachweislich mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden ist, ist dies auch aus Public-Health-Perspektive besonders problematisch. Kinder und Jugendliche gelten dabei als besonders vulnerable Gruppe.

Zielsetzung/Fragestellung: Untersucht werden Prävalenz, soziale Differenzierung und zeitliche Entwicklung gewaltförmigen Verhaltens unter Jugendlichen sowie dessen Bedeutung für gesundheitliche Ungleichheit.

Material & Methoden: Datengrundlage bildet die HBSC-Studie Sachsen-Anhalt von 2018 (N=3.549) und 2022 (N=4.739). Analysiert werden Selbstangaben von Schüler:innen zu Gewalt gegen Personen und Sachen sowie Beteiligung an Schlägereien. Deskriptive Analysen erfolgen nach Geschlecht, Alter und Schulform im Zeitvergleich. Zudem werden erste Zusammenhangsanalysen zu Gewaltverhalten und psychischer Gesundheit vorgestellt.

Ergebnisse: Im Vergleich von 2018 zu 2022 zeigt sich ein signifikanter Anstieg im Gewaltverhalten: Gewaltausübung gegen Personen wird von etwa einem Drittel der Jugendlichen berichtet (+12,4 Prozentpunkte), gegen Sachen von 18% (+5,5 Prozentpunkte); auch Schlägereien nahmen zu. Die Zuwächse sind insbesondere bei jüngeren Schüler:innen, an Gymnasien sowie bei Mädchen ausgeprägt. Insgesamt sind Unterschiede zwischen Schulformen gering, wobei Schlägereien an Gemeinschafts- und Sekundarschulen häufiger auftreten. Jungen sind deutlich häufiger an gewaltförmigem Verhalten beteiligt als Mädchen. Zudem zeigt sich ein klarer Zusammenhang zwischen Gewaltverhalten und psychischer Gesundheit: Jugendliche, die Gewaltverhalten zeigen, weisen signifikant häufiger eine psychische Gesundheitsbelastung auf.

Diskussion: Die Ergebnisse verdeutlichen Gewalt im Jugendalter als relevantes Phänomen und unterstreichen die Public-Health-Relevanz. Der nachgewiesene Zusammenhang zwischen Gewaltausübung und psychischer Gesundheit weist darauf hin, dass Gewaltverhalten in umfassendere gesundheitliche Belastungslagen eingebettet ist. Gewalt sollte daher stärker als eigenständige soziale Determinante gesundheitlicher Ungleichheit berücksichtigt werden.

Take Home Message für die Praxis: Gewalt im Jugendalter nimmt zu, ist sozial ungleich verteilt und steht in engem Zusammenhang mit psychischer Gesundheitsbelastung. Prävention und Gesundheitsförderung sollten Gewalt daher konsequent als gesundheitlich relevante Determinante adressieren und frühzeitig ansetzen – insbesondere bei jüngeren Jugendlichen und im schulischen Kontext.

Interessenkonflikte: Keine