Logo

Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Analyse von Trends der Kontaktsensibilisierung auf Allergene der DKG Standardreihe: Ergebnisse aus dem Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK), 2018–2024

Karl Philipp Drewitz - Informationsverbund Dermatologischer Kliniken, Deutschland; Otto von Guericke Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland
Steffen Schubert - Informationsverbund Dermatologischer Kliniken, Deutschland
Katharina Piontek - Informationsverbund Dermatologischer Kliniken, Deutschland; Otto von Guericke Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland
Andrea Bauer - Technische Universität Dresden, Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Dresden, Deutschland
Richard Brans - Universität Osnabrück, Institut für Gesundheitsforschung und Bildung, Osnabrück, Deutschland; Universität Osnabrück, Institut für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation (iDerm), Osnabrück, Deutschland
Timo Buhl - Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Göttingen, Deutschland
Burkhard Kreft - Universitätsklinikum Halle (Saale), Universitätsklinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie, Halle, Deutschland
Vera Mahler - Paul-Ehrlich-Institut, Abteilung Allergologie, Deutschland
Nicola Wagner - Universitätsklinikum Erlangen, Allergiezentrum, Erlangen, Deutschland
Christian Apfelbacher - Informationsverbund Dermatologischer Kliniken, Deutschland; Otto von Guericke Universität Magdeburg, Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Magdeburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Rund 20% der Gesamtbevölkerung sind gegen gängige Umwelt- bzw. Berufsallergene (z. B. Duftstoffe, Metalle, Konservierungsstoffe) sensibilisiert. Durch systematisches Monitoring und die Analyse von Kontaktsensibilisierungsraten können Risikogruppen identifiziert, Expositionstrends erkannt und zielgerichtete Interventionsstrategien entwickelt werden.

Zielsetzung/Fragestellung: Mit Daten des Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK) wurden Häufigkeit und Trends von Sensibilisierungen gegen Allergene der Standardreihe der Deutschen Kontaktallergie-Gruppe (DKG) im Zeitraum von 2018 bis 2024 analysiert.

Material & Methoden: Der IVDK (https://www.ivdk.org) als Verbund von 57 dermatologischen Abteilungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz agiert als klinisches Register und sammelt seit 1989 Daten zur Kontaktallergie. Für diese Analyse wurden Daten zum Epikutantest und Charakteristika der 49.817 Patienten aus dem Beobachtungszeitraum herangezogen.

Ergebnisse: Im gesamten Beobachtungszeitraum war die Sensibilisierung am häufigsten für Nickelsulfat (16,1%), Kobaltchlorid (7,0%), Perubalsam (5,9%), Duftstoffmix (FM) I (4,9%) und Kaliumdichromat (4,6%). Der Anteil sensibilisierter Personen für Perubalsam stieg signifikant von 5,1% auf 6,5%, während die Raten für FM I (5,4% → 4,2%), Chlormethylisothiazolinon/Methylisothiazolinon (MCI/MI) (3,0% → 2,1%) und MI (3,2% → 2,0%) zurückgingen. Der Anteil der Patienten mit Verdacht auf berufsbedingte Hauterkrankungen nahm von 2018 (19,5%) bis 2022 (23,5%) zu, fiel 2023 leicht auf 22,2% und erreichte 2024 wieder 24,1%.

Diskussion: Die am häufigsten nachgewiesenen Sensibilisierungen entsprechen den Mustern früherer Berichtszeiträume. Die schwankenden Raten möglicherweise berufsbedingter Hauterkrankungen spiegeln vermutlich den vermehrten Handschuh- und Handhygieneeinsatz während der COVID-19-Pandemie wider. Der Rückgang von Sensibilisierungen gegen FM I, MI und MCI/MI entspricht den EU-Beschränkungen, während die Zunahme der Perubalsam-Sensibilisierung auf neue Expositionsquellen oder Co-Reaktivität hindeutet.

Take Home Message für die Praxis: Systematisches epidemiologisches Monitoring von Kontaktsensibilisierungen kann neu auftretende Allergene identifizieren, Trends dokumentieren und die Wirkung von Präventions- sowie Regulierungsmaßnahmen bewerten. Auf Bevölkerungsebene bereitgestellte Daten bilden die Basis für gesetzliche Vorgaben, steuern zielgerichtete Interventionsstrategien und tragen langfristig zur Reduktion der Belastung durch allergische Kontaktdermatitis bei.

Interessenkonflikt: Christian Apfelbacher ist Leiter der Zentrale des IVDK e.V., die durch Industrie- und öffentliche Mittel finanziert wird. Er ist zudem DGSMP-Vorstandsmitglied und Kongresspräsident. Andrea Bauer, Richard Brans, Timo Buhl und Vera Mahler sind Mitglieder des Vorstands des IVDK e.V. Karl Philipp Drewitz, Katharina Piontek, und Steffen Schubert sind Angestellte der IVDK-Zentrale. Die Autoren geben an, dass keine persönlichen Interessenskonflikte bestehen. Vera Mahler gibt an, dass die in diesem Beitrag geäußerten Ansichten lediglich als persönliche Äußerungen verstanden oder zitiert werden können. Sie werden nicht im Namen der jeweiligen nationalen zuständigen Behörde, der Europäischen Arzneimittelagentur oder eines ihrer Ausschüsse oder Arbeitsgruppen getätigt oder spiegeln deren Standpunkt wider.