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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Impfstatus und Impfbereitschaft nach beruflichen Merkmalen: Ergebnisse der Gutenberg COVID-19-Studie

Sylvia Jankowiak - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Arbeit und Gesundheit, Deutschland
Julian Chalabi - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Präventive Kardiologie und Medizinische Prävention der Universitätsmedizin Mainz, Mainz, Deutschland
Naby May - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universitätsmedizin Mainz, Mainz, Deutschland
Janice Hegewald - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Arbeit und Gesundheit, Deutschland
Karin Rossnagel - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Arbeit und Gesundheit, Deutschland
Michaela Prigge - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Arbeit und Gesundheit, Deutschland
Clemens Köstner - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universitätsmedizin Mainz, Mainz, Deutschland
Till Beutel - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Lehrergesundheit der Universitätsmedizin Mainz, Mainz, Deutschland
Jan Becker - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Lehrergesundheit der Universitätsmedizin Mainz, Mainz, Deutschland
Daniela Zahn - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Präventive Kardiologie und Medizinische Prävention der Universitätsmedizin Mainz, Mainz, Deutschland; Hochschule Fulda, Angewandte Gesundheits- und Sozialpsychologie, Fulda, Deutschland
Rieke Baumkötter - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Präventive Kardiologie und Medizinische Prävention der Universitätsmedizin Mainz, Mainz, Deutschland
Julia Petersen - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Präventive Kardiologie und Medizinische Prävention der Universitätsmedizin Mainz, Mainz, Deutschland
Nora Hettich-Damm - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, Mainz, Deutschland
Alexander Schuster - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Augenklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz, Mainz, Deutschland
Emilio Gianicolo - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik der Universitätsmedizin Mainz, Mainz, Deutschland
Karl Lackner - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin der Universitätsmedizin Mainz, Mainz, Deutschland
Thomas Münzel - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Kardiologie 1, Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz, Mainz, Deutschland
Dirk-Matthias Rose - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Lehrergesundheit der Universitätsmedizin Mainz, Mainz, Deutschland
Stephan Letzel - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Lehrergesundheit der Universitätsmedizin Mainz, Mainz, Deutschland
Philipp Wild - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Präventive Kardiologie und Medizinische Prävention der Universitätsmedizin Mainz, Mainz, Deutschland; Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V., Deutschland; Institut für Molekulare Biologie gGmbH, Deutschland
Pavel Dietz - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universitätsmedizin Mainz, Mainz, Deutschland
Merle Riechmann-Wolf - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universitätsmedizin Mainz, Mainz, Deutschland

Text

Hintergrund: Studien zur Assoziation von beruflichen Charakteristika und dem SARS-CoV-2 Impfverhalten in Deutschland sind limitiert.

Zielsetzung/Fragestellung: Unterscheiden sich der Impfstatus und die Impfbereitschaft nach Berufshauptgruppe und beruflichem Anforderungsniveau?

Material & Methoden: Es wurden Daten der Gutenberg COVID-19 Studie (Region Mainz/Bingen) genutzt und Baseline-Berufsdaten (Oktober 2020 – April 2021) von 5.285 Beschäftigten zwischen 18–64 Jahren mit Impf-Angaben der zweiten Pandemiewelle (FU; März – Juni 2021) kombiniert. Waren die Beschäftigten nicht gegen SARS-CoV-2 geimpft, wurde die Impfbereitschaft erfasst (0=sehr unwahrscheinlich bis 6=sehr wahrscheinlich). Berufe wurden nach KldB-2010 codiert. Wir untersuchten Unterschiede nach Berufshauptgruppe (37 KldB 2-Steller; Referenz (Ref.): Berufe der Unternehmensorganisation) und vier Anforderungsniveaus (5. Stelle der KldB; Ref.: qualifizierte Fachkräfte) mit adjustierten robusten Poisson-Modellen (Prävalenzratios, 95%-KI) sowie ordinalen Regressionen (Odds Ratios).

Ergebnisse: Unter den Beschäftigten (Ø 48,2 Jahre, 51,1% Frauen) waren 46,0% zum FU geimpft. Die höchsten Impfquoten zeigten Gesundheitsberufe, medizinische: PR=1,76 (95% KI: 1,61-1,93) und nicht-medizinische: PR=1,55 (1,31-1,84) sowie Berufe in Erziehung, Sozialarbeit, Hauswirtschaft & Theologie: PR=1,59 (1,42-1,77). Berufe mit den geringsten Impfquoten waren Ausbauberufe: PR=0,14 (0,06-0,89), Produktdesign/Kunsthandwerk: PR=0,23 (0,06-0,85), Geo- & Umweltschutzberufe: PR=0,33 (0,13-0,82).

Impfbereit waren 89,7% aller Ungeimpften. Der Anteil Impfbereiter war am geringsten in der Rohstoffgewinnung & Keramikverarbeitung: OR=0,10 (0,02-0,41), in medizinischen Gesundheitsberufen: OR=0,22 (0,13-0,37) und in Ausbauberufen: OR=0,23 (0,09-0,59). Mit abnehmendem Anforderungsniveau nahm die Impfbereitschaft ab: OR=0,30 (0,16–0,56).

Diskussion: Berufe mit höherem Infektionsrisiko wiesen höhere Impfquoten auf – auch vor der einrichtungsbezogenen Impfpflicht im Gesundheitswesen. Die Impfbereitschaft war in Gruppen mit besonders hoher als auch geringer Impfquote am schwächsten, was auf komplexe Zusammenhänge hinweist. Positive Zusammenhänge von beruflichem Anforderungsniveau und Impfbereitschaft stützen entsprechende Ergebnisse zum Einfluss von Bildung.

Take Home Message für die Praxis: Das berufliche Expositionsrisiko und Anforderungsniveau prägen das Impfverhalten Beschäftigter. Impfstrategien sollten beide Dimensionen adressieren und ggf. ergänzend verstärkten alternativen Infektionsschutz integrieren.

Interessenkonflikte: Keine