Logo

Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Perspektiven von Kinder- und Jugendärzt:innen auf die Primärversorgung postakuter Infektionssyndrome (PAIS): bisherige Erfahrung, Herausforderungen und Chancen der Versorgung

Jonas Culmsee - Universität Greifswald, Institut für Psychologie, Lehrstuhl für Gesundheit und Prävention, Greifswald, Deutschland
Samuel Tomczyk - Universität Greifswald, Institut für Psychologie, Lehrstuhl für Gesundheit und Prävention, Greifswald, Deutschland; Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit, Standort Greifswald/Rostock, Deutschland; Universitätsmedizin Rostock, Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Rostock, Deutschland
Antje Hammer - Berufsverband der Kinder- und Jugendärztinnen e. V., Deutschland
Nike Strobelt - Berufsverband der Kinder- und Jugendärztinnen e. V., Deutschland
Hera Becker - Berufsverband der Kinder- und Jugendärztinnen e. V., Deutschland
Silke Schmidt-Schuchert - Universität Greifswald, Institut für Psychologie, Lehrstuhl für Gesundheit und Prävention, Greifswald, Deutschland; Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit, Standort Greifswald/Rostock, Deutschland

Text

Hintergrund: Postakute Infektionssyndrome (PAIS) sind für betroffene Kinder und Familien hochgradig beeinträchtigend, da sie mit Symptomen wie Fatigue einhergehen und durch Belastungsintoleranz gekennzeichnet sind. Für pädiatrische Erkrankte führt dies oftmals zu sozialer Isolation, geringer Teilhabe und Alltagsaktivität. Die Versorgung gestaltet sich aufgrund der Symptomheterogenität, der diagnostischen Komplexität und begrenzter spezialisierter Versorgungsstrukturen als herausfordernd. Primärversorgende Kinder- und Jugendärzt:innen nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein, dennoch liegen bislang wenige systematische Erkenntnisse zu ihrer Perspektive auf die PAIS-Versorgung vor.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel ist, die Erfahrung primärversorgender Kinder- und Jugendärzt:innen in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit PAIS sowie ihre Sicht auf die aktuelle Versorgungssituation abzubilden und daraus Ansatzpunkte für Verbesserungen und weitere Forschung abzuleiten.

Material & Methoden: Von September 2025 bis Februar 2026 wurde in Kooperation mit dem BVKJ partizipativ eine quantitative Befragung entwickelt und mit Kinder- und Jugendärzt:innen durchgeführt. Die Befragung erfasst bisherige Erfahrungen und Bedarfe in der Versorgung, die Wahrnehmung individueller und struktureller Barrieren sowie Empfehlungen und Anregungen für die zukünftige Gestaltung.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 505 Personen aus allen Bundesländern rekrutiert. Die Versorgung wurde überwiegend in den pädiatrischen Praxen und etwa hälftig telemedizinisch geleistet. Die Patient:innen waren im Schwerpunkt 10-14 Jahre alt und weisen neben Long COVID als häufige Diagnosen auch PAIS nach EBV, Influenza oder unklarer Infektion sowie ME/CFS auf. Die regionale Versorgung wurde überwiegend als mangelhaft eingeschätzt, als mögliche Gründe wurden bspw. fehlendes Wissen, Strukturen sowie unklare Abrechnungsmöglichkeiten genannt.

Diskussion: Konkrete Anregungen für die Verbesserung umfassen etwa mehr Spezialambulanzen, bessere Erreichbarkeit (z. B. kürzere Wartezeiten), mehr Kapazität (Personal, Fortbildungen) und bessere Vernetzung (z. B. mit spezialisierten Zentren).

Take Home Message für die Praxis: Die Ergebnisse verdeutlichen Interesse, Erfahrung und Bereitschaft ambulanter Pädiatrie in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit PAIS. Gleichwohl ist die Vernetzung mit spezialisierten Strukturen ausbaufähig, die Finanzierung erscheint z. T. unklar und es besteht ein Bedarf an strukturierter Information, Fort- und Weiterbildung.

Interessenkonflikte: Die Ergebnisse basieren auf Arbeiten im Projekt PEDNET-LC. Das Projekt PEDNET-LC wird durch das Bundesministerium für Gesundheit aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags gefördert.