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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Kapilläre Selbstblutentnahme in der ambulanten Versorgung: Machbarkeit, Schmerzempfinden und analytische Validität

Linda Hoffmeister - Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland
Frank Müller - Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland
Eva Hummers - Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland
Christiane Müller - Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland
Julie Schanz - Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Klinische Chemie, Göttingen, Deutschland
Angelika Hafke - Universitätsmedizin Göttingen, Interdisziplinäres UMG-Labor, Göttingen, Deutschland
Christopher Schuchardt - Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland
Georg M. N. Behrens - Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Rheumatologie und Immunologie, Hannover, Deutschland
Alexandra Dopfer-Jablonka - Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Rheumatologie und Immunologie, Hannover, Deutschland
Christine Happle - Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Rheumatologie und Immunologie, Hannover, Deutschland
Dominik Schröder - Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland

Text

Hintergrund: Patient:innen mit chronischen Erkrankungen sind auf regelmäßige Blutkontrollen angewiesen, was insbesondere im ländlichen Raum zu logistischen Herausforderungen führt: Lange Anfahrtswege können eine erhebliche Belastung darstellen und die Versorgungskontinuität gefährden. Kapilläre Selbstblutentnahme mit Postversand kann diese Problematik adressieren und eine Reduktion der Praxisbesuche ermöglichen.

Zielsetzung/Fragestellung: Ist kapilläre Selbstblutentnahme mit Postversand hinsichtlich Schmerzempfinden und analytischer Validität mit der venösen Blutentnahme vergleichbar und im hausärztlichen Setting durchführbar?

Material & Methoden: Im Rahmen des Projekts Blut-Mobil wurde eine prospektive Studie (n=106) durchgeführt, in der Durchführbarkeit und Schmerzwahrnehmung bei Selbstblutentnahme mit dem Tasso+®-Gerät sowie die analytische Konkordanz kapillärer Postproben mit venösen Proben für klinisch relevante Laborparameter untersucht wurden. Ergänzend wurden ein systematisches Review mit Meta-Analyse (26 Studien, n=6.529), eine europäische Pilotstudie (n=66) sowie eine qualitative Befragung von Praxisteams (n=29) durchgeführt.

Ergebnisse: 57,5% der Teilnehmenden führten die Selbstblutentnahme eigenständig durch, 59,4% erreichten ausreichende Blutvolumina (≥130µL auswertbares Blutplasma). Die Selbstblutentnahme verursachte signifikant weniger Schmerzen als die Venenpunktion. Die Benutzerfreundlichkeit des Tasso+®-Geräts wurde von den teilnehmenden Patient:innen mit einem SUS-Score von 86,2 als hoch bewertet. Für HbA1c, Kreatinin und Lipidparameter zeigte sich eine hohe analytische Konkordanz mit venösen Proben. Die Meta-Analyse zeigte ebenfalls eine starke Korrelation zwischen kapillären und venösen Blutproben.

Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass kapilläre Selbstblutentnahme mit Postversand eine analytisch valide Alternative zur venösen Blutentnahme darstellt und die Belastung für chronisch erkrankte Patient:innen durch den Wegfall routinemäßiger Blutentnahmetermine reduzieren kann. Die Optimierung der Probengewinnung durch die Patient:innen sollte in weiteren Studien adressiert werden. Fragen der Kosteneffektivität, Patient:innen-Akzeptanz und Implementierbarkeit bedürfen ebenfalls weiterer Untersuchungen.

Take Home Message für die Praxis: Kapilläre Selbstblutentnahme ist praktikabel, schmerzarm und analytisch valide. Die Methode stellt einen vielversprechenden Ansatz zur zukünftigen Entlastung von chronisch kranken Patient:innen und Praxisteams dar – besonders in ländlichen oder unterversorgten Regionen.

Interessenkonflikte: Keine