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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Fünfjahresverläufe von Mobbing am Arbeitsplatz und langfristiges Risiko für depressive Symptome bei einer repräsentativen Stichprobe von 1.535 Arbeitnehmern in Deutschland

Hermann Burr - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Arbeit und Gesundheit, Deutschland
Paul Conway - Københavns Universitet, Institut for Psykologi, København, Dänemark
Annina Braunreuther - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Arbeit und Gesundheit, Deutschland
Cristian Balducci - Universitá di Bologna, Dipartimento di Psicologia, Bologna, Italien
Uwe Rose - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Arbeit und Gesundheit, Deutschland
Friederike Buchallik - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Arbeit und Gesundheit, Deutschland
Reiner Rugulies - Det Nationale Forskningscenter for Arbejdsmiljø (NFA), Dänemark; Københavns Universitet, Institut for Folkesundhedsvidenskab, København, Dänemark

Text

Hintergrund: Wenige Längsschnittstudien haben Assoziationen zwischen Mobbingverläufen und depressiver Symptomatik untersucht.

Zielsetzung/Fragestellung: Diese Studie untersuchte, ob Verläufe von Mobbing am Arbeitsplatz über einen Zeitraum von fünf Jahren mit nachfolgender depressiven Symptomatik zusammenhängen. Wir untersuchten, ob aktuelle, frühere oder ständige Exposition durch Mobbing zwischen 2012 (T-1) und 2017 (T1) mit depressiver Symptomatik im Jahr 2023 (T2) in Zusammenhang stehen. Wir erwarteten, dass die Effekte von aktueller, früherer oder gleichbleibender Exposition gleich waren.

Material & Methoden: Die Studie basiert auf einer dreiwellig durchgeführten Längsschnittstudie mit 1.548 Beschäftigten der deutschen Studie zur mentalen Gesundheit am Arbeitsplatz (S-MGA). Mobbing am Arbeitsplatz wurde zu den Zeitpunkten T-1 und T1 mithilfe einer Häufigkeitsbefragung erfasst, in der die Teilnehmenden ihre Exposition durch Mobbing in den vorangegangenen sechs Monaten einschätzen sollten. In den Hauptanalysen umfasste die Exponierten Teilnehmende, die mindestens gelegentliches Mobbing angaben (>=1 mal innerhalb von 6 Monaten); in Sensitivitätsanalysen wurde nur häufiges Mobbing berücksichtigt (=> wöchentlich innerhalb von 6 Monaten). Es wurden vier Expositionsverläufe zu den Zeitpunkten T-1 und T1 erstellt: nie gemobbt, früher gemobbt (gemobbt zu Z -1 – nicht gemobbt zu Z1), aktuell gemobbt (nicht gemobbt zu Z -1 –gemobbt zu Z1) und ständig gemobbt (sowohl am Z -1 & Z 1). Depressive Symptomatik zu T2 wurden mithilfe des PHQ-9 (Grenzwert ≥ 10) erfasst. Binomiale Regressionsmodelle schätzten die Ratenverhältnisse (RR) und adjustierten diese stufenweise für relevante Störfaktoren und frühere depressive Symptome.

Ergebnisse: Im Vergleich zur Exposition "nie gemobbt" waren sowohl aktuelles Mobbing (RR = 2,75, 95%-KI: 1,86–4,09) als ständiges Mobbing (RR = 2,17, 95%-KI: 1,45–3,25) mit einem erhöhten Risiko für depressive Symptomatik assoziiert, adjustiert für depressive Symptomatik zu T-1. Früheres Mobbing war nicht signifikant mit depressive Symptomatik assoziiert. Sensitivitätsanalysen mit häufigem Mobbing (mindestens wöchentlich) als Exposition ergaben ähnliche Ergebnisse.

Diskussion: Aktuelles und ständiges Mobbing am Arbeitsplatz waren mit nachheriger depressiven Symptomatik assoziiert; früheres Mobbing hingegen nicht. Mobbingverläufe sollten mit einer höheren Zeitauflösung (kürzere Wellenabstände, mehr Wellen) untersucht werden.

Take Home Message für die Praxis: Prävention und Früherkennung von Mobbing am Arbeitsplatz sollten Priorität haben.

Interessenkonflikte: Keine