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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Individuelles Pharmakotherapie-Management (IPM) und seine KI-unterstützte Anwendbarkeit zur Prävention von weiteren Nierenfunktionsstörungen bei häufig unterdiagnostizierten chronischen Nierenerkrankungen und Polypharmazie im Alter

Ursula Wolf - Universitätsmedizin Halle, Pharmakotherapie-Management, Halle, Deutschland

Text

Hintergrund: Die global alternde Gesellschaft mit Polypharmazie und Multimorbidität trägt ein erhöhtes Risiko für chronische Nierenerkrankungen (CKD), aggraviert durch zusätzliche akute Krankheitssituationen und Medikamente. Es kommt zu zunehmender Belastung der Gesundheitssysteme, da CKD auch chronische kardiovaskuläre Erkrankungen fördert.

Zielsetzung/Fragestellung: Untersuchung der CKD-Prävalenz und der Assoziation eines Individuellen Pharmakotherapie-Managements (IPM) mit der Prävention einer weiteren Nierenfunktionsverschlechterung bei Patienten der Alterstraumatologie.

Material & Methoden: Retrospektive Prä/Post-Interventionsstudie mit 404 Patienten. Die seit 2012 etablierte Intervention umfasst eine zweiwöchentliche interdisziplinäre Visite zur Optimierung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS). Das strukturierte IPM basiert auf elektronischen Patientendaten mit definierten Patienten-Parametern im Abgleich mit Fachinformationen. Primärer Endpunkt war eine Reduktion der eGFR ≥ 20 ml/min (redGFR) bei Patienten ≥ 70 Jahre. Die KI-gestützte IPM-Anwendbarkeit wurde in Simulationsmodellen geprüft.

Ergebnisse: Nahezu übereinstimmende Kontroll (KG)- und Interventionsgruppe (IG) hinsichtlich relevanter Einflussfaktoren (Alter, arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, OP-Modus). Eine vorbestehende CKD > Stadium 2 (KDIGO; eGFR < 60 ml/min/1,73 m²) lag bei 42% der KG und 50% der IG vor, wurde jedoch in weniger als 50% der Fälle als ICD-Diagnose dokumentiert.

Das IPM war mit einer signifikanten (p < 0,001) Reduktion der redGFR von 5,5% (11/199) in der KG auf 0% (0/199) in der IG assoziiert, einer relativen Risikoreduktion von 100% und einer Number Needed to Treat (NNT) von 18. KI-unterstützte IPM-Anwendungen in Simulationsmodellen lieferten konsistente und valide Therapieempfehlungen.

Diskussion: 1. Im Einklang mit internationalen Daten war eine bestehende CKD in über 50% unterdiagnostiziert. 2. Das IPM ist mit einer vollständigen Vermeidung periinterventioneller Nierenfunktionsstörungen assoziiert und stellt eine wichtige präventive Maßnahme zur Patientensicherheit und AMTS in der multimedikamentösen Versorgung dieser vulnerablen und zunehmenden Patientengruppe dar mit einfacher, KI-unterstützter Anwendbarkeit bei Polypharmazie.

Take Home Message für die Praxis: CKD wird häufig übersehen und unzureichend dokumentiert. Strukturiertes IPM kann Nierenfunktionsverschlechterungen effektiv verhindern, nach vorliegenden Assoziationsmaßen zu 100%. Das KI-unterstützte IPM liefert verlässliche Therapieempfehlungen bei einfacher Anwendungsmöglichkeit im Versorgungsalltag.

Interessenkonflikt: UW erhält/erhielt Honorare für Lehraufträge zur Arzneimitteltherapiesicherheit an den Universitäten Bonn und Heidelberg sowie für wissenschaftliche Vorträge zur Prävention von Risiken bei Polypharmazie (BMS, Pfizer) und Preisgelder zur Projektförderung &uuml;ber mehrfache Auszeichnungen, u.a. mit dem Lohfert-Preis 2020, dem cdgw-Zukunftspreis Gesundheitswirtschaft 2021 und dem Deutschen Preis für Patientensicherheit 2025.