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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Simulationsbasierte interprofessionelle Lehre mit Medizinstudierenden im Praktischen Jahr und Studierenden der Sozialen Arbeit zum Thema „Familiäre Gewalt“ – ein Stück in drei Akten

Wunna Fuhrmann Reineck - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Medizinische Fakultät, Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik, Deutschland
Laura Schmiljun - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Medizinische Fakultät, Dorothea-Erxleben-Lernzentrum, Deutschland
Annika Falkner - Hochschule für angewandte Wissenschaften Merseburg, Fachbereich Soziale Arbeit, Medien, Kultur, Merseburg, Deutschland
Amand Führer - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Medizinische Fakultät, Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik, Deutschland
Linn Hempel - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Medizinische Fakultät, Dorothea-Erxleben-Lernzentrum, Deutschland
Carolin Richter - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Medizinische Fakultät, Institut für Rechtsmedizin, Deutschland
Miriam Schwardt - Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Medizinische Fakultät, Dorothea-Erxleben-Lernzentrum, Deutschland
Brita Zippel - Allgemeiner Sozialer Dienst Halle (Saale), Team Kinderschutz, Halle (Saale), Deutschland
Felix Veverka - Allgemeiner Sozialer Dienst Halle (Saale), Team Kinderschutz, Halle (Saale), Deutschland

Text

Hintergrund: Im Jahr 2024 wurde bei rund 72.800 Kindern oder Jugendlichen in Deutschland eine Kindeswohlgefährdung festgestellt. Steht der Verdacht von Kindeswohlgefährdung im klinischen Setting im Raum, ist sofortiges Handeln verschiedener Akteur:innen erforderlich. Obwohl das Thema „häusliche Gewalt“ im Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog für Medizin aufgeführt ist und der Umgang mit dieser in der Praxis in interprofessionellen Teams erfolgt, wurde das Thema Interprofessionalität in diesem Zusammenhang bisher kaum didaktisch ausgearbeitet. Insbesondere interprofessionelle Lehrformate unter Einbezug der Sozialen Arbeit sind bislang rar.

Zielsetzung/Fragestellung: Entwicklung, Pilotierung und Evaluation eines interprofessionellen Lehrformats mit Studierenden der Humanmedizin und Studierenden der Sozialen Arbeit zum Thema „Familiäre Gewalt“ basierend auf drei Simulationsszenarien.

Material & Methoden: Expert:innen aus der Rechtsmedizin, dem Jugendamt, der Psychologie, der Kommunikationswissenschaft und der Pädiatrie entwickelten zwei Fälle in drei aufeinanderfolgenden Simulationsszenarien, welche vom ersten Verdacht auf Kindeswohlgefährdung (Szenario 1), über eine interdisziplinäre Fallbesprechung (Szenario 2) bis hin zum Elterngespräch mit dem Jugendamt (Szenario 3) reichen. Zudem wurden Beobachtungsaufträge erstellt. Das Lehrformat wurde mittels Evasys-Fragebogen evaluiert.

Ergebnisse: Das Lehrformat wurde zweimal à 240 Minuten durchgeführt. Insgesamt nahmen 33 Studierende teil (61% Humanmedizin, 39% Soziale Arbeit), 30 Evaluationsbögen wurden ausgewertet. Nahezu alle Teilnehmenden (93%) betrachteten die Simulationen mit Simulationspersonen als geeignete Lehrmethode und die erworbenen Kompetenzen als hilfreich für ihre berufliche Zukunft. Optimierungsbedarf wurde für die zeitliche Strukturierung und die Vermittlung von Fach- und Hintergrundwissen rückgemeldet.

Diskussion: Das Thema „Familiäre Gewalt“ mit Fokus auf Kinderschutz eignet sich besonders für die interprofessionelle Lehre, stellt jedoch hohe Anforderungen an personelle Ressourcen. Angesichts der steigenden Zahl an Kindeswohlgefährdungen sind entsprechende interprofessionelle Lehrveranstaltungen dringend erforderlich. Aufgrund der Evaluationsergebnisse soll das Lehrformat zukünftig verstetigt und entsprechend überarbeitet werden.

Take Home Message für die Praxis: Ein interprofessionelles Lehrformat mit Studierenden der Humanmedizin und der Sozialen Arbeit ist ein geeignetes, aber ressourcenintensives Format, um für Anzeichen von Kindeswohlgefährdung zu sensibilisieren und Handlungsoptionen zu simulieren.

Interessenkonflikte: Keine