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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
PatView – Deprescribing im mittleren Lebensalter (40–65 Jahre): Patient:innenperspektiven multimorbider Personen auf einen komplexen Versorgungsprozess
Text
Hintergrund: Deprescribing gilt als evidenzbasierter Bestandteil der Versorgung multimorbider Patient:innen. In der Praxis zeigt sich Deprescribing jedoch weniger als singulärer Entscheidungsakt, sondern als mehrstufiger, kontextabhängiger Prozess. Die bisherige Forschung fokussiert überwiegend geriatrische Kollektive und ärztliche Entscheidungsprozesse; Erkenntnisse zur Perspektive multimorbider Patient:innen im mittleren Lebensalter sind bislang begrenzt.
Zielsetzung/Fragestellung: Ziel der PatView-Studie ist es, Barrieren und förderliche Faktoren von Deprescribing-Prozessen aus Sicht multimorbider Patient:innen im Alter von 40–65 Jahren zu identifizieren.
Material & Methoden: Es wurden 18 leitfadengestützte Interviews mit multimorbiden Patient:innen (≥2 chronische Erkrankungen) im Alter von 40–65 Jahren durchgeführt. Die Auswertung erfolgte mittels strukturierender qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring. Auf Grundlage des Interviewleitfadens wurde ein deduktives Kategoriensystem entwickelt. Dieses wurde in einer Pilotphase durch zwei Codierende geprüft, konsolidiert und in Entscheidungsregeln überführt. Die weiteren Interviews wurden transkriptbasiert codiert und stichprobenartig qualitätsgesichert überprüft.
Ergebnisse: Deprescribing wird als dynamischer Prozess erlebt, geprägt von Medikationsroutinen, Unsicherheiten und der Sorge vor gesundheitlicher Verschlechterung. Zentrale Einflussfaktoren sind Vertrauen in Behandelnde, Kommunikationsqualität und strukturelle Rahmenbedingungen. Medikationsanpassungen erscheinen als Aushandlungsprozesse zwischen Stabilitätsbedürfnis und Veränderungsnotwendigkeit. Die Auswertung wird bis zum Kongress finalisiert.
Diskussion: Deprescribing im mittleren Lebensalter weist Parallelen zu geriatrischen Befunden auf, zeigt jedoch lebensphasenspezifische Herausforderungen. Insbesondere die biografische Einbettung von Medikationsentscheidungen, die Sorge vor Funktionsverlust sowie kommunikative Aushandlungsprozesse erweitern den Blick über eine rein medizinische Indikationsstellung hinaus. Die Patient:innenperspektive erweitert die indikationsbezogene Betrachtung um kontextuelle und versorgungspraktische Dimensionen.
Take Home Message für die Praxis: Deprescribing im mittleren Lebensalter ist kein singulärer Akt, sondern ein komplexer, biografisch geprägter Versorgungsprozess, der kommunikativ und strukturell begleitet werden muss.
Interessenkonflikte: Keine



