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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Transdiagnostische dimensionale Psychopathologie und Lebensqualität: Zusammenhänge zwischen B-HiTOP und SF-12
Text
Hintergrund: Die kategoriale Klassifikation psychischer Störungen wird zunehmend kritisiert, da sie Komorbidität und subklinische Symptome unzureichend abbildet. Innovativere, transdiagnostische Ansätze beschreiben Psychopathologie stattdessen dimensional entlang übergeordneter Symptomspektren. Mit dem Brief Hierarchical Taxonomy of Psychopathology Questionnaire (B-HiTOP) liegt ein Instrument zur differenzierten Erfassung zentraler Dimensionen vor. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität (SF-12) ist ein wichtiger patientenbezogener Outcome-Parameter, dessen Zusammenhang mit HiTOP-Dimensionen bislang unzureichend untersucht ist.
Zielsetzung/Fragestellung: Untersucht werden die Korrelationen zwischen B-HiTOP-Dimensionen und physischer (PCS) sowie psychischer (MCS) Lebensqualität.
Diskussionspunkt: Internalisierende und somatoforme Symptome sind besonders eng mit geringerer psychischer Lebensqualität verbunden. Auffällig ist die weitgehende Abwesenheit von Zusammenhängen zwischen B-HiTOP-Dimensionen und physischer Lebensqualität. Das deutet auf eine mögliche Trennung zwischen körperlichem Erleben und psychischer Belastung hin. Unerwartet berichten Personen mit hoher körperlicher Lebensqualität tendenziell höhere Internalizing-Werte, möglicherweise aufgrund höherer Leistungsansprüche und damit verbundener emotionaler Belastungen. Limitationen sind das querschnittliche Design und die geringe Stichprobengröße; Kausalstudien sind erforderlich.
Inhalt: MCS zeigt in einer Stichprobe von N = 185 Proband:innen (42,6 ± 12,3 Jahre; 51,4% männlich, 46,5% weiblich, 0,5% divers, 1,6% k. A.) konsistent signifikante negative Korrelationen (p < .05) mit allen B-HiTOP-Dimensionen, insbesondere mit Internalizing (r = −.673) und Somatoform (r = −.614). Korrelationen mit Detachment, Thought Disorder, Disinhibition und Antagonism sind schwächer (r = −.232 bis −.514) ausgeprägt. Auch der p-Faktor, der die allgemeine Psychopathologie über alle sechs erfassten Symptomspektren misst, korreliert stark negativ mit MCS (r = −.703; p < .01). PCS korreliert hingegen nur schwach mit den B-HiTOP-Dimensionen: Es zeigt sich lediglich eine niedrige signifikante Korrelation mit Internalizing (r = .223), während weitere Zusammenhänge gering und nicht signifikant sind (p > .05).
Take Home Message für die Praxis: Psychische Lebensqualität ist eng mit dimensionaler Psychopathologie verknüpft. Ansätze wie B-HiTOP ermöglichen eine differenzierte Einschätzung und können eine gezieltere, patientenorientierte Versorgung unterstützen.
Interessenkonflikte: Keine



