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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Klimaangst und soziale Medien: Entwicklung und Bewältigung von Klimaangst bei jungen Erwachsenen – eine qualitative Studie

Lucia Franka Huber - Charité – Universitätsmedizin Berlin, corporate member of Freie Universität Berlin and Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Berlin, Deutschland
Laura Pilz-González - Charité – Universitätsmedizin Berlin, corporate member of Freie Universität Berlin and Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Berlin, Deutschland
Katharina Heinrichs - Charité – Universitätsmedizin Berlin, corporate member of Freie Universität Berlin and Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Berlin, Deutschland

Text

Hintergrund: Klimaangst beschreibt belastende Gefühle und Sorgen im Zusammenhang mit der Klimakrise, die besonders bei jungen Erwachsenen auftreten können. Soziale Medien sind für diese Altersgruppe zentrale Informations- und Erfahrungsräume. Klimathemen erscheinen dort häufig beiläufig, emotional verdichtet und algorithmisch verstärkt. Unklar ist, wie junge Erwachsene diese Konfrontation subjektiv wahrnehmen.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel der Studie ist es, die Rolle sozialer Medien bei der Entwicklung und Bewältigung von Klimaangst bei jungen Erwachsenen zu erforschen.

Material & Methoden: Es wurde ein qualitatives, exploratives Forschungsdesign umgesetzt. Die Teilnehmenden wurden mittels Gelegenheits- und Schneeballsampling rekrutiert. Eingeschlossen wurden Studierende im Alter von 18 bis 25 Jahren mit aktueller Studienbescheinigung, subjektiv erlebter Klimaangst sowie einer durchschnittlichen Social-Media-Nutzung von mindestens vier Stunden pro Tag. Ausgeschlossen wurden Personen mit psychischen Erkrankungen sowie jene, die bereits an Interventionsstudien zu Klimaangst oder sozialen Medien teilnahmen. Die leitfadengestützten, problemzentrierten Interviews wurden transkribiert und nach Kuckartz mithilfe von MAXQDA ausgewertet.

Ergebnisse: Insgesamt wurden fünf Studierende im Alter von 21 bis 25 Jahren interviewt. Klimaangst wurde überwiegend als wellenförmige und kontextabhängige Emotion beschrieben und selten isoliert wahrgenommen. Klimainhalte waren auf Social Media stark vertreten und liefen bei der Alltagsnutzung oft im Hintergrund mit. Der Einfluss sozialer Medien wurde überwiegend als klimaangstverstärkend erlebt, teils aber auch als abschwächend. Je nach Person und Situation konnten soziale Medien bei der Bewältigung von Klimaangst als Coping-Werkzeug genutzt oder bewusst gemieden werden. Dabei zeigten sich adaptive und maladaptive Strategien. Insgesamt wurde die Rolle sozialer Medien sowohl bei der Entstehung als auch bei der Bewältigung von Klimaangst als ambivalent beschrieben.

Diskussion: Soziale Medien wirken im Kontext von Klimaangst unterschiedlich. Der Einfluss ist stark von Plattformlogiken und Aufmerksamkeitssteuerung abhängig und kann sowohl Belastung darstellen als auch Ressourcen bereitstellen. Weitere Forschung sollte diese Mechanismen vertiefen und die Wirksamkeit konkreter Unterstützungsansätze prüfen.

Take Home Message für die Praxis: Da Klimainhalte auf Social Media die psychische Gesundheit junger Erwachsener maßgeblich beeinflussen, sind gezielte Unterstützungsangebote und Schulungen im Umgang damit erforderlich.

Interessenkonflikt: Alle Autor:innen versichern, keinerlei Interessenkonflikte zu haben.