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42. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP)

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.
16.-19.09.2026
Starnberg

Vortrag

Evidenzbasiert. Modular. Bundesweit. Ein digitales Schulungsprogramm für das Neugeborenen-Hörscreening

S. Meier - Verband Deutscher Hörscreening-Zentralen e.V., Münster, Deutschland; Bezirksamt Hamburg-Nord, Fachamt Gesundheit, Hamburger Neugeborenen-Screening- & Tracking (NeST)-Zentrale für Hören, Hamburg, Deutschland; Hörscreening-Zentrale Schleswig-Holstein, Lübeck, Deutschland; earlinks, Beratung für Audiologie, E-Learning und Gaming, Krummesse, Deutschland; Universität zu Lübeck, Lübeck, Deutschland
K. Neumann - Verband Deutscher Hörscreening-Zentralen e.V., Münster, Deutschland; Universitätsklinikum Münster, Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Münster, Deutschland; Hörscreening-Zentrale Westfalen-Lippe, Münster, Deutschland
R. Schönweiler - Verband Deutscher Hörscreening-Zentralen e.V., Münster, Deutschland; Universität zu Lübeck, Lübeck, Deutschland; Praxis für HNO-Heilkunde, Phoniatrie und Pädaudiologie, Inhaberin Dr. Christiane Kissing-Roskothen, Reinbek, Deutschland
N. Kurt - Verband Deutscher Hörscreening-Zentralen e.V., Münster, Deutschland; Bezirksamt Hamburg-Nord, Fachamt Gesundheit, Hamburger Neugeborenen-Screening- & Tracking (NeST)-Zentrale für Hören, Hamburg, Deutschland
J. Thiele - Verband Deutscher Hörscreening-Zentralen e.V., Münster, Deutschland; Bezirksamt Hamburg-Nord, Fachamt Gesundheit, Hamburger Neugeborenen-Screening- & Tracking (NeST)-Zentrale für Hören, Hamburg, Deutschland
L. Prein - Verband Deutscher Hörscreening-Zentralen e.V., Münster, Deutschland; Universitätsklinikum Münster, Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie, Münster, Deutschland; Hörscreening-Zentrale Westfalen-Lippe, Münster, Deutschland
T. Pötzl - Verband Deutscher Hörscreening-Zentralen e.V., Münster, Deutschland; Hörscreening-Zentrale Schleswig-Holstein, Lübeck, Deutschland; Universität zu Lübeck, Lübeck, Deutschland
A.-K. Rohlfs - Verband Deutscher Hörscreening-Zentralen e.V., Münster, Deutschland; Bezirksamt Hamburg-Nord, Fachamt Gesundheit, Hamburger Neugeborenen-Screening- & Tracking (NeST)-Zentrale für Hören, Hamburg, Deutschland; Universitätsklinikum Ulm, Phoniatrie und Pädaudiologie, Ulm, Deutschland

Abstract

Hintergrund: Zur Qualitätssicherung im Neugeborenen-Hörscreening (NHS) ist ein strukturierter Kompetenzerwerb des beteiligten Fachpersonals essenziell. Bislang fehlt eine bundesweit einheitliche Schulungsgrundlage; regionale Unterschiede in Durchführung, Dokumentation und Qualifikation beeinträchtigen die Versorgungskontinuität. Vor diesem Hintergrund wurde unter dem Dach des Verbands Deutscher Hörscreening-Zentralen (VDHZ) ein standardisiertes, digital unterstütztes Schulungsprogramm entwickelt. Ziel ist die deutschlandweite Verfügbarkeit eines modularen, evidenzbasierten Fortbildungsangebots für Personal im NHS.

Material und Methode: Die Arbeit folgt einem mehrstufigen Entwicklungs- und Evaluationsdesign. Die Konzeption erfolgte in Anlehnung an die DIN-PAS 1032 für E-Learning-Angebote sowie unter Berücksichtigung didaktischer und lernpsychologischer Prinzipien. Grundlage waren eine Stakeholderanalyse, eine Bedarfsermittlung sowie ein multiprofessioneller Peer-Review-Prozess. Das Schulungsprogramm wurde als modulares, online durchführbares Lernangebot umgesetzt und umfasst medizinische, organisatorische, kommunikative und messtechnische Inhalte. Die Evaluation erfolgt im Mixed-Methods-Ansatz. Quantitativ kamen neben der Auswertung von Logdaten Fragebögen zur Bewertung der Schulung und zur wahrgenommenen Kompetenzveränderung zum Einsatz; ergänzend wurden qualitative Angaben inhaltsanalytisch ausgewertet.

Ergebnisse: Das Schulungsprogramm umfasst vier Online-Module mit Zusatzmaterialien wie Übungen, Quizfragen, Pocketcards. Erste Evaluationsdaten (n = 21) zeigen positive Tendenzen hinsichtlich didaktischer Qualität, Nutzerfreundlichkeit, wahrgenommenem Nutzen und subjektiver Kompetenzentwicklung. Die Beanspruchung liegt im mittleren Bereich. Zugleich ergeben sich Hinweise, dass soziale Austauschformate weiterentwickelt werden sollten.

Schlussfolgerung: Die bisherigen Ergebnisse zeigen die Machbarkeit und Relevanz eines bundesweit einsetzbaren E-Learning-Angebots für das NHS. Der modulare Aufbau, die Verknüpfung von Theorie, Praxis und Reflexion sowie der Einsatz interaktiver Formate bilden eine vielversprechende Grundlage für eine nationale Skalierung. Herausforderungen bestehen vor allem in der Integration sozialer Austauschformate, der Anpassung an Flächenländer und der nachhaltigen Einbindung regionaler Kooperationsstrukturen. Perspektivisch könnte das Programm zur Vereinheitlichung von Qualifikationsanforderungen beitragen und als Baustein qualitätssichernder Strukturen im NHS weiterentwickelt werden.

Text

Hintergrund

Das Neugeborenen-Hörscreening (NHS) ist ein zentraler Bestandteil der pädaudiologischen Frühversorgung. Ziel ist die möglichst frühe Erkennung angeborener oder früh erworbener Hörstörungen, um eine zeitgerechte Diagnostik und Intervention zu ermöglichen [1], [2]. Die Qualität des NHS hängt dabei nicht allein von der eingesetzten Messtechnik ab, sondern wesentlich von standardisierten Abläufen, korrekter Dokumentation, verlässlichem Tracking sowie der Handlungssicherheit des beteiligten medizinischen Fachpersonals [3], [4], [5].

In Deutschland ist das NHS seit 2009 in der Regelversorgung verankert [6]. Dennoch bestehen in der praktischen Umsetzung regionale Unterschiede, unter anderem hinsichtlich Schulung, Durchführung, Dokumentation und Nachverfolgung auffälliger oder nicht abgeschlossener Screeningbefunde. Für Personen, die das NHS in Geburtskliniken, Praxen oder Geburtshäusern durchführen, existiert bislang keine bundesweit einheitliche Schulungsgrundlage. Vor diesem Hintergrund wurde unter dem Dach des Verbands Deutscher Hörscreening-Zentralen (VDHZ) ein standardisiertes, digital unterstütztes Schulungsprogramm entwickelt.

Ziel der Arbeit ist die Entwicklung, Pilotierung und Evaluation eines modularen Schulungsprogramms als Beitrag zur Qualitätsentwicklung im NHS.

Material und Methoden

Die Arbeit folgt einem mehrstufigen Entwicklungs- und Evaluationsdesign. Die Konzeption erfolgte in Anlehnung an die DIN-PAS 1032 für E-Learning-Angebote sowie unter Berücksichtigung didaktischer und lernpsychologischer Prinzipien [7]. Grundlage waren eine Stakeholderanalyse, eine Bedarfsermittlung sowie ein multiprofessioneller Peer-Review-Prozess. Das Schulungsprogramm wurde als modulares, online durchführbares Lernangebot umgesetzt und umfasst medizinische, organisatorische, kommunikative und messtechnische Inhalte. Die Evaluation erfolgt im Mixed-Methods-Ansatz. Quantitativ kamen neben der Auswertung von Logdaten Fragebögen zur Bewertung der Schulung und zur wahrgenommenen Kompetenzveränderung zum Einsatz; ergänzend wurden qualitative Angaben inhaltsanalytisch ausgewertet.

Tabelle 1 [Tab. 1]

Tabelle 1: Aufgaben/Rollen der Implementationsphasen

Ergebnisse

Das Schulungsprogramm umfasst vier Online-Module mit Zusatzmaterialien wie Übungen, Quizfragen, Pocketcards und weiteren Begleitmaterialien. Erste Evaluationsdaten (n = 30) zeigen positive Tendenzen hinsichtlich didaktischer Qualität, Nutzerfreundlichkeit, wahrgenommenem Nutzen und subjektiver Kompetenzentwicklung. Die Beanspruchung liegt im mittleren Bereich. Zugleich ergeben sich Hinweise darauf, dass soziale Austauschformate im digitalen Setting weiterentwickelt werden sollten.

Diskussion

Die bisherigen Ergebnisse sprechen für die Machbarkeit eines bundesweit einsetzbaren E-Learning-Angebots für das NHS. Der modulare Aufbau, die Verknüpfung von Theorie, Praxis und Reflexion sowie der Einsatz interaktiver Formate bilden eine vielversprechende Grundlage für eine nationale Skalierung. Herausforderungen bestehen insbesondere in der Integration sozialer Austauschformate, der Anpassung an unterschiedliche regionale Versorgungsstrukturen sowie der nachhaltigen Einbindung regionaler Kooperationspartner. Die geplante Einführung in weiteren Versorgungsstrukturen, unter anderem in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein bis Ende 2026, stellt einen nächsten Schritt zur Prüfung der Übertragbarkeit dar.

Fazit/Schlussfolgerung

Das entwickelte Schulungsprogramm kann zur Vereinheitlichung von Qualifikationsanforderungen im NHS beitragen und als Baustein qualitätssichernder Strukturen weiterentwickelt werden. Die bisherigen Evaluationsergebnisse zeigen eine positive Tendenz hinsichtlich Akzeptanz, Nutzerfreundlichkeit und subjektiver Kompetenzentwicklung. Weitere Auswertungen sollen klären, in welchem Umfang Wissenszuwachs, Handlungssicherheit und Transfer in den Screeningalltag nachweisbar sind.


References

[1] World Health Organization. Hearing screening: considerations for implementation. Geneva: World Health Organization; 2021 [cited 2026 Jun 26]. Available from: https://www.who.int/publications/i/item/9789240032767
[2] Year 2019 position statement: principles and guidelines for early hearing detection and intervention programs. J Early Hear Detect Interv. 2019;4(2):1-44. DOI: 10.15142/fptk-b748
[3] Neumann K, Gross M, Bottcher P, Euler HA, Spormann-Lagodzinski M, Polzer M. Effectiveness and efficiency of a universal newborn hearing screening in Germany. Folia Phoniatr Logop. 2006;58(6):440-55. DOI: 10.1159/000095004
[4] Depenbrock A, Matulat P, am Zehnhoff-Dinnesen A. Mitarbeiterbefragung als Instrument der Qualitätssicherung im Neugeborenen-Hörscreening [Using an employee survey as a means of quality assurance in newborn hearing screening]. HNO. 2013 Mar;61(3):259-66. DOI: 10.1007/s00106-012-2627-6
[5] Brockow I, Söhl K, Hanauer M, Heißenhuber A, Marzi C, Am Zehnhoff-Dinnesen A, Matulat P, Mansmann U, Nennstiel U. Neugeborenen-Hörscreening in Deutschland – Ergebnisse der Evaluationen 2011/2012 und 2017/2018 [Newborn hearing screening in Germany-results of the 2011/2012 and 2017/2018 evaluations]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2023 Nov;66(11):1259-67. DOI: 10.1007/s00103-023-03779-0
[6] Gemeinsamer Bundesausschuss. Neugeborenen-Hörscreening: Unterausschuss Methodenbewertung des Gemeinsamen Bundesausschusses. Berlin: Gemeinsamer Bundesausschuss; 2008 [cited 2026 Jun 26]. German. Available from: https://www.screening-dgns.de/Pdf/RichtlinienGesetze/Aenderung_RL_Kinder_2008-10-24-Hoerscreening_AbschlussDok.pdf
[7] DIN PAS 1032-1. Aus- und Weiterbildung unter besonderer Berücksichtigung von E-Learning - Teil 1: Referenzmodell für Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung. Berlin: DIN Media; 2004.