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42. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP)

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.
16.-19.09.2026
Starnberg

Vortrag

Stimmgesundheit von Pfarrerinnen und Pfarrern der Evangelischen Kirche in Deutschland

S. Meuret - Universitätsklinikum Leipzig, Sektion Phoniatrie und Audiologie, Leipzig, Deutschland
S. Mathis-Meuret - Predigerseminar Petersstift, Evangelische Landeskirche in Baden, Heidelberg, Deutschland; früher: Zentrum für evangelische Gottesdienst- und Predigtkultur, Wittenberg, Deutschland
D. Petroff - Zentrum für klinischen Studien, Universität Leipzig, Leipzig, Deutschland
M. Fuchs - Universitätsklinikum Leipzig, Sektion Phoniatrie und Audiologie, Leipzig, Deutschland

Abstract

Hintergrund: Pfarrerinnen und Pfarrern beanspruchen in ihrem Beruf sowohl ihre Sing- als auch Sprechstimme stark. Ziel dieser Studie war es, die Häufigkeit von Stimmproblemen bei Pfarrerinnen und Pfarrern der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu ermitteln und mögliche Einflussfaktoren für deren Auftreten zu identifizieren.

Material und Methode: Ein interprofessionelles Team, bestehend aus einer Pfarrerin und einem Pfarrer der EKD sowie zwei Phoniatern, entwickelte einen Fragebogen mit 26 Items, der sich auf vorangegangene Studien zu Dysphonie bei Geistlichen stützte. Ein Link zu diesem elektronischen Fragebogen wurde an die jeweiligen Mitgliedskirchen der EKD versandt. Die Mitgliedskirchen sollten den Link wiederum an ihre angestellten Pfarrerinnen und Pfarrer weiterleiten.

Ergebnisse: 1.022 Pfarrerinnen und Pfarrer füllten den Fragebogen aus: 52,3% Männer, 47,7% Frauen. Die Prävalenz von Stimmstörungen variierte je nach verwendeter Definition: 5,1% (diagnostizierte Stimmstörung), 7,5% (Krankmeldung aufgrund von Stimmproblemen), 21,5% gaben an, zwei oder mehr häufig auftretende Stimmbeschwerden zu haben. Deutlich mehr Pfarrerinnen als Pfarrer waren bereits wegen Stimmproblemen krankgeschrieben (p < 0,0001), hatten eine medizinisch diagnostizierte Stimmstörung (p = 0,0008) und wiesen mindestens zwei stimmbezogene Symptome auf (p = 0,0001). 87,5% aller Teilnehmer hatten im Laufe ihres Berufslebens ein Stimm- und Sprechtraining absolviert; meist während der letzten zwei Jahre der pastoralen Ausbildung (63,8%). Aber 36,3% nahmen auch zusätzliche Privatstunden zum Stimmtraining (44,3% der Frauen vs. 29,0% der Männer, p < 0,001). In einer multivariaten Analyse waren eine hohe Stimmbelastung, unzureichende Kenntnisse zur Stimmpflege sowie das weibliche Geschlecht mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Stimmprobleme verbunden.

Schlussfolgerung: Stimm- und Sprechtraining sowie Stimmhygiene stellen ein wichtiges Instrument zur Prävention berufsbedingter Dysphonie im pastoralen Beruf dar. Dieses Training sollte auf die beruflichen Bedürfnisse von Pfarrerinnen und Pfarrern zugeschnitten sein und nicht nur im Rahmen der Berufseinstiegsphase stattfinden, sondern auch im Laufe des Berufslebens wiederholt aufgefrischt werden.

Text

Hintergrund

Pfarrerinnen und Pfarrer beanspruchen in ihrem Berufsalltag sowohl ihre Sing- als auch ihre Sprechstimme in hohem Maße. Angesichts der zentralen Bedeutung der Stimme für die kirchliche Arbeit ist es überraschend, dass bisher nur wenige Studien zu diesem Thema vorliegen [1]. Die vorhandene Literatur zur Stimmgesundheit von Geistlichen bezieht sich auf verschiedene Religionen und Kontexte, darunter tamilsprachige [2] und türkische Imame [3], hinduistische Priester [4], jüdische Kantoren [5], katholische Priester [6], tibetische Mönche [7], Prediger der Siebenten-Tags-Adventisten [8] sowie evangelische Pastoren in Brasilien [1]. Die bisher größte Studie wurde in Finnland mit 901 lutherischen Pastorinnen und Pastoren durchgeführt [9]. In fast allen Untersuchungen überwiegt aufgrund der untersuchten Religionen der Anteil männlicher Geistlicher deutlich.

Ziel der vorliegenden Studie war es, die Prävalenz von Stimmproblemen bei Pfarrerinnen und Pfarrern der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu erfassen sowie mögliche Einflussfaktoren für deren Auftreten zu identifizieren.

Methoden

Ein interprofessionelles Team, bestehend aus einer Pfarrerin und einem Pfarrer der EKD sowie zwei Phoniatern, entwickelte einen Fragebogen mit 26 Items. Dieser stützte sich auf vorherige Studien zu Dysphonie bei Geistlichen [6], [9]. Der elektronische Fragebogen wurde an die jeweiligen Mitgliedskirchen der EKD versandt. Die Mitgliedskirchen sollten den Link wiederum an ihre angestellten Pfarrerinnen und Pfarrer weiterleiten.

Ergebnisse

An der Studie nahmen 1.022 Pfarrerinnen und Pfarrer teil, davon 534 Männer (52,3%) und 488 Frauen (47,7%). Die Prävalenz von Stimmstörungen variierte je nach zugrunde gelegter Definition: 5,1% gaben eine medizinisch diagnostizierte Stimmstörung an, 7,5% hatten bereits eine Krankmeldung aufgrund von Stimmproblemen, und 21,5% berichteten häufig mindestens zwei auftretenden Stimmbeschwerden zu haben. Pfarrerinnen wiesen signifikant häufiger Stimmprobleme auf als Pfarrer. So waren deutlich mehr Pfarrerinnen als Pfarrer bereits wegen Stimmproblemen krankgeschrieben (p < 0,0001), hatten eine medizinisch diagnostizierte Stimmstörung (p = 0,0008) und wiesen mindestens zwei stimmbezogene Symptome auf (p = 0,0001). 87,5% hatten im Laufe ihres Berufslebens ein Stimm- und Sprechtraining absolviert, meist während der letzten beiden Jahre der pastoralen Ausbildung (63,8%). 36,3% nahmen zusätzlich Privatstunden zum Stimmtraining in Anspruch (44,3% der Frauen vs. 29,0% der Männer, p < 0,001). Alle Pfarrerinnen und Pfarrer wurden zu gesundheitlichen Beschwerden mit Bezug zu Stimmstörungen befragt. Die positiven Antworten wurden zu einem Summenscore (Skala: 0–4) aggregiert. Die Mehrzahl der Befragten wies einen Score von 0 oder 1 auf; während 5,6% einen Score von 3–4 erreichten.

In der multivariaten Analyse blieb das Alter nur in wenigen Modellen erhalten, wobei es dann einen protektiven Effekt zeigte: Jede zusätzliche Altersstufe von fünf Jahren verringerte das Risiko, schwer verständlich zu sein um 18% (RR = 0,82) und das Risiko für eine leise Stimme um 16% (RR = 0,84). Das finale multivariante Modell zur Vorhersage von mindestens zwei stimmbezogenen Symptomen identifizierte weibliches Geschlecht (RR = 1,62), höhere stimmbezogene Arbeitszeit (RR = 1,03 pro zusätzlicher Stunde pro Woche), begrenzte Kenntnisse über Stimmpflege (RR = 1,67 bei teilweisem Wissen, RR = 1,86 bei fehlendem Wissen) sowie den Krankheitsscore als unabhängige Risikofaktoren (Tabelle 1 [Tab. 1]).

Tabelle 1: Optimales multivariates Modell für mindestens zwei stimmbezogene Symptome

Diskussion und Schlussfolgerung

Mit der vorliegenden Studie liegt die bisher größte Untersuchung zur Stimmgesundheit von Geistlichen vor. Die Prävalenz von Stimmstörungen war in unserer Untersuchung deutlich niedriger als in der Literatur – unabhängig von der gewählten Definition einer Stimmstörung. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer mindestens einmal im Berufsleben ein Stimm- und Sprechtraining absolviert hatten. Dennoch nahmen 36% zusätzlich privates Stimmtraining in Anspruch.

Stimm- und Sprechtraining sowie Stimmhygiene stellen wichtige Instrumente zur Prävention berufsbedingter Dysphonie im pastoralen Beruf dar. Dieses Training sollte auf die beruflichen Bedürfnisse von Pfarrerinnen und Pfarrern zugeschnitten sein und nicht nur im Rahmen der Berufseinstiegsphase stattfinden, sondern auch im Laufe des Berufslebens aufgefrischt werden.


References

[1] Martins PDN, Silverio KCA, Brasolotto AG. Vocal Aspects of Brazilian Evangelical Pastors. J Voice. 2018 Nov;32(6):689-94. DOI: 10.1016/j.jvoice.2017.08.014
[2] Jayakumar T, Yasin HAM, Benoy JJ. Prevalence of Voice Problems and Associated Risk Factors Among Tamil-Speaking Imams. J Voice. 2025 May;39(3):846.e25-846.e33. DOI: 10.1016/j.jvoice.2022.11.022
[3] Subasi B, Guclu E, Guclu D, Tasli H. Objective and Subjective Voice Examination in Turkish Imams. J Voice. 2023 Jan;37(1):141.e9-141.e12. DOI: 10.1016/j.jvoice.2020.11.016
[4] Devadas U, Jose N, Gunjawate D. Prevalence and Influencing Risk Factors of Voice Problems in Priests in Kerala. J Voice. 2016 Nov;30(6):771.e27-771.e32. DOI: 10.1016/j.jvoice.2015.11.008
[5] Hapner E, Gilman M. The vocal load of Reform Jewish cantors in the USA. J Voice. 2012 Mar;26(2):201-4. DOI: 10.1016/j.jvoice.2011.01.003
[6] Hocevar-Boltezar I. Prevalence and risk factors for voice problems in priests. Wien Klin Wochenschr. 2009;121(7-8):276-81. DOI: 10.1007/s00508-009-1163-1
[7] Rajanna R, Maruthy S. Prevalence of and Risk Factors for Self-Reported Voice Problems in Tibetan Monks. J Voice. 2026 Jul;40(4):1053-64. DOI: 10.1016/j.jvoice.2024.03.020
[8] Neto FXP, da Silva IPC, Madeira AV, Teixeira Menezes CR, Gonçalves Rodrigues L, Magalhães Navarro L. Analysis of the Vocal Health of the Preachers of the Seventh-Day Adventist Churches. Int Arch Otorhinolaryngol. 2009:407-12.
[9] Hagelberg AM, Simberg S. Prevalence of voice problems in priests and some risk factors contributing to them. J Voice. 2015 May;29(3):389.e11-8. DOI: 10.1016/j.jvoice.2014.08.015