Logo

27. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie und Arbeitstagung der Arbeitsgemeinschaft Deutschsprachiger Audiologen, Neurootologen und Otologen

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V. und ADANO
19.-21.03.2025
Göttingen


Meeting Abstract

Mensch vs. Robotik: Erste Resultate eines neuartigen robotischen Gerätes zur Elektrodeninsertion während der Cochlea-Implantation im Menschen und Großtiermodell

Caroline Sesztak 1,2,3
Dominik Riss 1,2,3
Till Buschhorn 1,2,3
Anselm J. Gadenstaetter 1,2,3
Matthias Gerlitz 1,2,3
Erdem Yildiz 1,2,3
Clemens Honeder 1,2,3
Christoph Arnoldner 1,2,3
1Medizinische Universität Wien, Univ. Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, Wien, Österreich
2Christian Doppler Labor für Innenohrforschung, Wien, Österreich
3Allgemeines Krankenhaus, Wien, Österreich

Text

Einführung: Ein kritischer Schritt während der Cochlea-Implantation liegt in der präzisen Einführung der Elektrode in die Scala tympani. Während dieses Vorgangs besteht das Risiko einer Schädigung der empfindlichen Innenohrstrukturen, insbesondere bei zu rascher oder abrupter Einführung. Diese Schäden werden durch einen plötzlichen Anstieg des intracochleären Drucks oder eine Perforation der Basilarmembran der Cochlea, welche aus einer unsauberen Insertion resultieren können, begünstigt. Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass eine langsame Einführung mit einem reduzierten Mikrotrauma, sowie einer besseren postoperativen Hörfunktion korreliert. Zur Unterstützung einer gleichmäßigen und kontrollierten Einführungsdynamik wurden robotergestützte Systeme entwickelt, die in Hinblick auf Geschwindigkeit und Präzision der manuellen Cochlea-Implantation überlegen sein sollen. In der vorliegenden Studie wurde das durch manuelle Einführungen hervorgerufene Trauma mit jenem verglichen, welches bei roboterunterstützter Insertion in einem Großtiermodell auftritt.

Methodik: Schweine und Menschen sollen mit Cochlea-Implantaten versorgt werden, welche entweder durch robotische Unterstützung des OTOARM/OTODRIVE-Systems oder manuell inseriert werden. Die prä- und postoperative Hörfunktion im Tier wird mithilfe von ABR- und eCochG-Messungen evaluiert. Zudem werden die Innenohre der Tiere für die weitere histologische Analyse entnommen. Im Menschen wird die Hörfunktion postoperativ mittels Reintonaudiometrie und Sprachaudiometrie ermittelt.

Ergebnisse: In unserer Studie wurden bislang 8 Tiere und 27 Menschen implantiert. Erste Ergebnisse zeigen eine Tendenz zu niedrigeren Impedanzen in Tieren, die robotergestützt implantiert wurden, im Vergleich zu höheren Impedanzen der manuell implantierten Tiere. Bislang zeigen eCochG-Messungen im Tier keine Unterschiede in der Hörfunktion während und nach dem operativen Eingriff. Im Menschen bestätigte sich die Sicherheit und Durchführbarkeit des OTODRIVE-Systems während der Cochlea-Implantation.

Diskussion: Die robotergestützte Cochlea-Implantation scheint aufgrund ihrer simplen Bedienbarkeit und vermutlich atraumatischeren Einführung eine geeignete, sichere und zugängliche Alternative zu sein. Die kontinuierliche, langsame Insertionsgeschwindigkeit von bis zu 0,1 mm pro Sekunde könnte das reduzierte Mikrotrauma erklären, welches durch verringerte Elektrodenimpedanzen zum Ausdruck kommt. Wir vermuten daher, dass mit der robotergestützten Insertion Druckspitzen und unwillkürliche Bewegungen verhindert bzw. verringert werden können.