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Wintertagung der Berlin-Brandenburgischen Augenärztlichen Gesellschaft 2025

Berlin-Brandenburgische Augenärztliche Gesellschaft
05.-06.12.2025
Berlin

 
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Meeting Abstract

Klinische und bildmorphologische Charakteristika maligner lymphoproliferativer Läsionen der Orbita

Alexander L. Rattunde 1
V. Knecht 1
L. Möhwald 1
T. Ghassemi 1
E. Bertelmann 1
1Berlin – Klinik für Augenheilkunde, Charité Campus Virchow-Klinikum

Text

Fragestellung: Maligne lymphoproliferative Läsionen der Orbita können zu schwerwiegender ophthalmologischer und allgemeiner Morbidität führen. Ein frühzeitiges Erkennen klinischer Zeichen sowie der gezielte Einsatz der Bildgebung sind entscheidend. Ziel dieser retrospektiven Studie war es, die demografischen und klinischen Merkmale orbitaler Lymphome zu charakterisieren und die diagnostische Sensitivität der MRT-Bildgebung zu evaluieren.

Methodik: Zwischen Januar 2010 und Dezember 2024 wurden 86 Patienten mit histologisch bestätigten malignen orbitalen lymphoproliferativen Läsionen in die Studie eingeschlossen. Alle Patienten wurden einem Orbita-MRT mit oder ohne DWI unterzogen. Demographische, klinische und radiologische Parameter wurden aus der elektronischen Akte erhoben. Die statistische Analyse erfolgte mit IBM SPSS 29.0.1.1. Die durchschnittliche Beobachtungszeit betrug 26,28 Monate (Median 11,50 Monate).

Ergebnis: Das mittlere Alter der Patienten lag bei 66,2 Jahren; 57% waren weiblich. Am häufigsten wurde ein MALT-assoziiertes Lymphom diagnostiziert (52,3%), gefolgt von FL (20,9%), DLBCL (11,6%) und MCL (7,0%). Die Tränendrüse war in 36,7% betroffen, 17,3% der Läsionen waren intrakonal lokalisiert. Klinisch wurden Exophthalmus in 44,2% und eine Oberlidschwellung in 48,8% der Fälle beobachtet; eine subjektiv verminderte Sehschärfe trat in 11,6% der Patienten auf. Patienten mit DLBCL zeigten signifikant häufiger einen relativen afferenten Pupillen-Defekt (p<0,001) sowie eine verminderte Sehschärfe (p=0.003). Die bestkorrigierte Sehschärfe verschlechterte sich signifikant nach operativen Eingriffen (median logMAR: 0,10 präoperativ vs. 0,15 postoperativ; p=0,007). Radiologisch lag die Gesamt-Sensitivität bei 47,1%, wobei der Einsatz eines DWI die Sensitivität von 37,5% auf 60% signifikant erhöhte (p=0,031).

Diskussion: Die Ergebnisse unterstreichen, dass MRT ohne Diffusionswichtung nur eine eingeschränkte Sensitivität besitzt, die durch DWI moderat verbessert werden kann. Angesichts einer falsch-negativen Rate von ca. 40% bleibt die Biopsie zur Differenzierung maligner von nicht-malignen orbitalen Läsionen oft unumgänglich – ein invasiver Eingriff, der das ophthalmologische Funktionsergebnis beeinträchtigen kann. Daher erscheint eine Optimierung der radiologischen Diagnostik, idealerweise in Kombination mit klinischen Prädiktoren, wünschenswert, um in ausgewählten Fällen auf eine Biopsie verzichten zu können.