Wintertagung der Berlin-Brandenburgischen Augenärztlichen Gesellschaft 2025
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Einfluss der 63-er-Gelstent-Implantation auf den Kammerwasserabfluss
Text
Ziel: Minimalinvasive Glaukomverfahren wie der 63er-Gelstent werden zunehmend zur Augeninnendruck(IOD)-Kontrolle eingesetzt. Ziel dieser Studie war es zu untersuchen, inwiefern sich der Kammerwasserabfluss nach Implantation verändert.
Methoden: In dieser prospektiven monozentrischen Studie wurden Patient:innen eingeschlossen, die zwischen September 2024 und Juli 2025 an der Charité-Universitätsmedizin Berlin einen 63er-Gelstent erhalten haben. Die Veränderung des Kammerwasserabflusses wurde anhand eines standardisierten, nicht invasiven Stresstests mittels Okulopressor evaluiert. Dieser Stresstest, IOD-Messungen, sowie die Anzahl antiglaukomatöser Medikamente und Komplikationen wurden präoperativ, sowie 12 Wochen nach Implantation dokumentiert. Die Daten wurden mittels SPSS v27 statistisch ausgewertet.
Ergebnisse: 50 Augen von 50 Patient:innen (Altersspanne: 47–89, 50% weiblich) wurden analysiert. Der mittlere IOD sank von 22.2±7.5 mmHg präoperativ auf 12.1±5.1 mmHg nach 12 Wochen, gemessen mittels Goldmann-Applanationstonometrie (p<0.001). Im standardisierten Stresstest stieg die mittlere prozentuale Druckreduktion signifikant von 14.8% (SD±13.3%) vor der Implantation auf 32.7% (SD±19.7%) nach 12 Wochen (p<0.001). Die häufigste frühe Komplikation war die postoperative Hypotonie (74.0%); eine Aderhautamotio als Folgekomplikation wurde in 46.0% berichtet und hatte überwiegend die Tendenz zur spontanen Resorption ohne Notwendigkeit einer Vorderkammerstellung mit Viskoelastikum (4/50). Die mittlere Anzahl antiglaukomatöser Medikamente sank von 2.8 (SD±1.3) präoperativ auf 0.4 (SD±1.1) postoperativ.
Schlussfolgerung: Der funktionelle Kammerwasserabfluss ist nach 63er-Gelstent Implantation deutlich gesteigert. Der Eingriff führt zudem zu einer deutlichen Reduktion des Augeninnendrucks und Medikamentenbedarfs. Frühe postoperative Komplikationen sind häufig, verlaufen jedoch in der Regel selbstlimitierend.



