8. Jahrestagung der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Künstlerische Therapien
8. Jahrestagung der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Künstlerische Therapien
Pilotstudie: Künstlerische Therapien hinter Gittern – Chancen für Musik- und Tanztherapie im Strafvollzug
Text
Der Strafvollzug als staatliches Setting verfolgt gemäß Strafvollzugsgesetz vorrangig das Ziel der Resozialisierung, also die Befähigung inhaftierte Personen zu einem Leben in sozialer Verantwortung, ohne erneute Straftaten. Kreative Therapieformen wie Musik – und Tanztherapie gewinnen in diesem Kontext als Maßnahmen zur Persönlichkeitsentwicklung und sozialer Integration an Bedeutung. Die vorliegende Pilotstudie war Teil des Moduls „Forschungsmethoden“ im Studiengang Musiktherapie bzw. Tanztherapie an der Medical School Hamburg. Es wird untersucht, ob allgemeines Interesse an Therapie und im Besonderen an künstlerischen Therapien besteht, sowie die Möglichkeiten der Umsetzung dieser Therapieformen. Exemplarisch wurde in den beiden niedersächsischen Justizvollzugsanstalten Wolfenbüttel und Celle geforscht. Ziel war es herauszufinden, inwiefern Musik- und Tanztherapie im Haftalltag akzeptiert und als förderlich erlebt werden und welche Hürden bei der Implementierung bestehen. Im Rahmen eines parallelen Mixed – Method Designs wurden qualitative Experteninterviews mit den Anstaltsleitungen und eine quantitative Befragung der Inhaftierten (nur JVA Wolfenbüttel) durchgeführt. Von 100 verteilten Fragebögen konnten 43 ausgewertet werden. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Offenheit, der Inhaftierten gegenüber kreativen Therapieangeboten. Überraschend war die Resonanz in Bezug auf Musik und insbesondere Musiktherapie, die laut Ergebnis als emotional entlastend, motivierend und identitätsstiftend wahrgenommen wird. Auch Personen der Anstaltsleitung stehen künstlerischen Therapieformen grundsätzlich positiv gegenüber. Als Haupthürden für eine dauerhafte Implementierung wurden vor allem begrenzte, finanzielle Mittel und eine mangelnde personelle Ausstattung sichtbar. Musik- und Tanztherapie können bislang nur im Rahmen von Einzelprojekten realisiert werden. Die Studie verdeutlicht, dass Musik – und Tanztherapie im Strafvollzug nicht nur Akzeptanz finden, sondern auch die Resozialisierung fördern könnten. Der hohe Zuspruch von Musik könnte die Vertrauens-Brücke sein, um Inhaftierte zu erreichen, ihren Willen zur Persönlichkeitsveränderung zu unterstützen und sie im Setting Haft zu fördern. Die Pilotstudie liefert damit konkrete Impulse für den Ausbau und die stärkere institutionelle Verankerung künstlerischer Therapien und Angebote im deutschen Strafvollzug.



