8. Jahrestagung der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Künstlerische Therapien
8. Jahrestagung der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Künstlerische Therapien
Alle Fäden in der Hand halten – Kunsttherapie bei Alkoholabhängigkeit. Eine explorative Studie
Text
Der Konsum von Alkohol ist tief in der Gesellschaft verankert und führt zu weitreichenden gesundheitlichen, sozialen und psychischen Folgen, die nicht nur die Konsumierenden selbst, sondern auch ihr unmittelbares Umfeld betreffen. Besonders Kinder alkoholabhängiger Eltern tragen ein erhöhtes Risiko, eine Abhängigkeitserkrankung zu entwickeln. Die vorliegende explorative Studie mit dem Titel „Alle Fäden in der Hand halten“ untersucht, inwiefern ein kunsttherapeutisches Interventionskonzept das Wohlbefinden von Menschen mit Alkoholabhängigkeitserkrankung steigern und ihr subjektives Stressempfinden senken kann. Der Titel „Alle Fäden in der Hand halten“ dient dabei als Metapher für die Wiedererlangung von Kontrolle über das eigene Leben, die im Kontext einer Abhängigkeitserkrankung häufig verloren geht. Die Untersuchung wurde mit fünf Proband*innen über fünf aufeinanderfolgende Sitzungen durchgeführt. Das kunsttherapeutische Konzept wurde als stabilisierende und ressourcenstärkende Intervention konzipiert. Die Datenerhebung erfolgte mittels eines Mixed-Methods-Designs: Quantitativ wurden Veränderungen des Wohlbefindens mithilfe des Heidelberg State Inventory (HSI-24) sowie das Stressempfinden mittels einer Stressskala jeweils prä- und postinterventionell erfasst. Ergänzend wurden qualitative Daten über offene Zusatzfragen und prozessbegleitende Beobachtungen erhoben und kontextbezogen in die Auswertung integriert. Die Ergebnisse zeigen eine durchgängige Steigerung des Wohlbefindens sowie eine deutliche Reduktion des subjektiven Stressniveaus über den Interventionszeitraum hinweg. Qualitative Analysen deuten darauf hin, dass die kunsttherapeutischen Maßnahmen die Wahrnehmung eigener Ressourcen stärkte, Selbstwirksamkeitserfahrungen förderte und adaptive Bewältigungsstrategien im Umgang mit belastenden Emotionen unterstützte. Trotz der begrenzten Stichprobengröße (n = 5), der kurzen Interventionsdauer (t = 5) und der variierenden Teilnahmeintensität (t1 = 5; t2 = 4; t3 = 4; t4 = 2; t5 = 3) liefern die Befunde erste Hinweise auf die potenzielle Relevanz kunsttherapeutischer Interventionen als komplementären Bestandteil in der Behandlung von Alkoholabhängigkeitserkrankungen und unterstreichen deren Bedeutung für zukünftige, vertiefende Forschungsansätze.



